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Streiks bei Ryanair: Was Sie jetzt tun können

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ryanair-Kunden droht die nächste Runde im Tarifstreit. Für den 10. August haben deutsche Piloten einen 24-Stunden-Streik angekündigt.
  • Die Airline hat 250 Flüge gestrichen. Ryanair bzw. der Reiseveranstalter muss sich darum kümmern, wie Betroffene an ihr Ziel kommen.
  • Wer den Flug bei Ryanair selbst gebucht hat, muss mit deutlichen Verspätungen oder gestrichenen Flügen rechnen und Zusatzkosten wohl mindestens vorstrecken. Wer einen Ryanair-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht hat, sollte sich beim Veranstalter melden.
Fünf Ryanair-Flugzeuge stehen auf einer Parkfläche an einem Flughafen.
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Bei Ryanair stehen die Zeichen weiter auf Streik, die Flugbegleiter wollen am Freitag, 10. August, die Arbeit auch in Deutschland niederlegen. Hunderte Flüge hatte das Unternehmen schon im Juli gestrichen, zahlreiche Maschinen blieben am Boden. Wenn Sie Anfang August mit Ryanair fliegen, sollten Sie also gut darauf achten, ob die Flüge wie geplant stattfinden. Werden sie gestrichen, müssen Sie sich um Alternativen kümmern. Für Freitag streicht die Airline nach eigenen Angaben 250 Flüge von und nach Deutschland. Betroffene Kunden wurden laut Ryanair bereits per E-Mail oder SMS benachrichtigt.

Haben Sie selbst einen Ryanair-Flug gebucht, der wegen des Streiks ausfällt, und wollen Sie nun z.B. in den Urlaub oder zurück nach Hause, bleiben Ihnen zwei Möglichkeiten:

  1. Bei Ryanair auf eine anderweitige Beförderung drängen, z.B. per Ersatzflug. Ein solcher Ersatzflug steht Ihnen nach Artikel 8 der Fluggastrechteverordnung zu – die Airline muss ihn Ihnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten anbieten. Das kann aber bedeuten, dass Sie einige Tage früher als gedacht oder erst einige Tage später fliegen können, sobald Ryanair-Maschinen die Verbindungen wieder bedienen und Plätze frei sind.

    Geht es für Sie in den Urlaub, müssen dort in der Regel Hotel, Mietwagen und Co. bezahlt werden, obwohl Sie noch gar nicht da sind und sie nicht nutzen können. Müssen Sie an den betroffenen Tagen dagegen zurück nach Hause fliegen, bräuchten Sie dann länger eine Unterkunft vor Ort, die Ihnen Ryanair bereitstellen muss.

    So genannte Betreuungsleistungen, falls Sie z.B. am Urlaubsort ohne Flug nach Hause festsitzen, muss Ryanair übernehmen. Darunter fallen etwa Kosten für Hotels, Transport von und zum Hotel und Verpflegung. Auch darauf sollten Sie bei Ryanair drängen! Weigert sich das Unternehmen oder ist es für Sie nicht zu erreichen, können Sie sich selbst um eine angemessene Versorgung und Unterkunft kümmern. Bewahren Sie Rechnungen und Quittungen auf jeden Fall gut auf! Damit können Sie später etwas von der Airline zurückfordern.

    Bei Ausgleichszahlungen ist die Rechtslage noch nicht eindeutig. Der Bundesgerichtshof hat hier für Streiks bisher eine Ausnahme gemacht – die Airline müsste also nicht zahlen (Urteil vom 21.8.2012, X ZR 146/11). Es ist aber möglich, dass der Europäische Gerichtshof diese Entscheidung für reguläre Streiks kippt. Bisher hat der EuGH entschieden, dass die Airline zahlen muss, wenn ihr Personal in eine so genannten wilden Streik tritt, sich also viele Angestellte krank melden (Urteil vom 17.4.2018; C-195/17). Aus der Urteilsbegründung lässt sich lesen, dass der EuGH diese Meinung eventuell auch bei regulären Streiks vertritt. Endgültige Klarheit kann hier aber nur eine Entscheidung des EuGH bringen. Ändert sich die bisherige Rechtsprechung, dann könnten Sie neben der Ersatzbeförderung, Betreuungsleistungen und Transfers auch noch eine Ausgleichszahlung verlangen.

    Um die Ausgleichszahlung können Sie sich nach den Flügen in Ruhe zu Hause kümmern. Die Forderungen können Sie dann an Ryanair stellen. Sie können sich nach der Länge des Flugs richten und wie lange Sie verspätet ans Ziel gekommen sind. Sollte der EuGH dann später entsprechend urteilen, haben Sie mit den schriftlich abgeschickten Forderungen eine gute Ausgangslage, Geld zu bekommen. Aber Achtung: Es läuft die allgemeine Verjährungsfrist von drei Jahren ab Ende des Jahres, in dem der Flug stattfinden sollte.
     
  2. Sie können den Flug stornieren und fordern, dass Ihnen das Geld binnen sieben Tagen zurückgezahlt wird. Sie könnten sich dann selbst um einen anderen Flug oder eine Zugfahrt in den Urlaub bzw. nach Hause kümmern. Das probieren bei einem großflächigen Streik womöglich viele Reisende für die betroffenen Verbindungen.

    Ob Plätze bei anderen Airlines frei sind und was diese im Moment kosten, sollten Sie sich unbedingt ansehen, bevor Sie bei Ryanair stornieren!

Bei Ärger kann eine Schlichtungsstelle helfen

Werden Sie sich mit Fluglinien wie Ryanair über Verspätungen oder Ausfälle nicht einig, können Sie die zuständige Schlichtungsstelle anrufen. Dort gibt es ein Online-Formular.

Bei Pauschalreisen steht der Veranstalter für Kosten und Ersatz ein

Eindeutig ist die Situation, wenn Ihr Ryanair-Flug Teil einer Pauschalreise ist – Sie also Flug, Unterkunft, Mietwagen oder andere Bestandteile bei einem Anbieter als Paket gekauft haben. Ist das der Fall, dann wenden Sie sich statt an Ryanair an Ihren Reiseveranstalter und drängen Sie auf eine Lösung mit einer anderen Airline, Zügen oder späteren Ryanair-Flügen!

Veranstalter einer Pauschalreise sind auch bei Streiks in der Verantwortung für Kosten, die bei Ihnen durch eine Verspätung entstehen. Das können zum Beispiel Verpflegung, Unterkunft, Taxifahrten und Telefonate sein. Bleiben Sie im Kontakt mit Ihrem Veranstalter und drängen Sie z.B. auf eine Unterkunft für die Nacht, wenn nicht am selben Tag eine Ersatzmaschine für Sie startet!

Sie können bei langen Verspätungen außerdem den Reisepreis mindern. Dafür gibt es Rechentabellen: Ab fünf Stunden Verspätung dürfen Sie pro Stunde Verspätung 5 Prozent des Tagespreises zurückfordern. Sollten Sie sich durch den ausgefallenen Flug so sehr verspäten, dass sich die sich die ganze Reise nicht mehr lohnt (insbesondere bei Kurzreisen), dann können Sie gleich den ganzen Urlaub stornieren.

Auch bei Pauschalreisen kommen Ausgleichszahlungen der Airline in Frage, sollte der EuGH sie für Streiks ermöglichen. Es gilt dasselbe wie weiter oben geschildert: Um die Ausgleichszahlung können Sie sich nach den Flügen in Ruhe zu Hause kümmern. Die Forderungen können Sie dann an Ryanair stellen. Sie können sich nach der Länge des Flugs richten und wie lange Sie verspätet ans Ziel gekommen sind.