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Herzlich willkommen im neuen Internetauftritt der Verbraucherzentrale! Wir haben viel getan - hier stellen wir die Neuerungen vor.

Air Berlin insolvent - was das für Kunden bedeutet

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zum 28. Oktober wird Air Berlin voraussichtlich den gesamten Flugbetrieb einstellen.
  • Die Verbraucherzentralen fordern Insolvenzsicherungen auch für direkt gebuchte Flugreisen.
  • Wenn Flüge tatsächlich ausfallen sollten, haben Pauschalreisende die besseren Karten: Der Reiseveranstalter muss dann für eine Ersatzbeförderung sorgen. Andere Fluggäste hingegen können nur auf - wenig realistische - Entschädigung im Insolvenzverfahren hoffen.
Air Berlin Flugzeug Landung

Ist die Airline in eine Schieflage geraten, stehen Kunden mit gebuchten Flügen in der Gläubigerliste hinten.

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Was, wenn der Flug tatsächlich ausfällt?

Grundsätzlich gilt: Wen eine Fluggesellschaft nicht an sein Ziel bringt, der hat nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung Ansprüche auf Entschädigung. Das gilt bei Verspätung, Annullierung oder Nichtbeförderung. Bei einer Insolvenz der Airline müssen diese Ansprüche beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Wer Flüge gebucht hat, die Air Berlin nicht mehr ausführt, muss sich selbst um Ersatz bemühen.

Wer nach dem 15.08.2017 (Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens) gebucht hat und nicht fliegen kann, erhält von Air Berlin den Preis für gestrichene Flüge erstattet. Das gilt allerdings nicht für die Steuern und Gebühren, denn die gehören zur Insolvenzmasse. Betroffene müssen ihre Forderung nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens in der Insolvenztabelle anmelden. Gleiches gilt für diejenigen, die ihre Tickets vor dem 15.08. gebucht haben und den Preis erstattet bekommen möchten.

Es ist aber ungewiss, ob Entschädigungszahlungen tatsächlich geleistet werden. Denn die Kunden einer Fluggesellschaft rangieren in der Regel weit hinten in der Kette der Gläubiger wie Banken oder Arbeitnehmer, deren Forderungen aus der Insolvenzmasse zunächst bedient werden.

 

Pauschalreisende sind besser gestellt

Auf Soforthilfe können hingegen Pauschalurlauber vertrauen: Der Reiseveranstalter, bei dem die Reise gebucht wurde, muss für Ersatz sorgen, wenn der Ferienflieger gar nicht oder verspätet abhebt. Ansprüche auf Entschädigung nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung wegen Verspätung, Annullierung und Nichtbeförderung müssen auch Pauschalreisende ausschließlich bei Air Berlin beziehungsweise beim Insolvenzverwalter von Air Berlin anmelden.

Mehr zu den genau geregelten Fluggastrechten haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengestellt.

Häufige Fragen zur Insolvenz von Air Berlin

Wer ist der Insolvenzverwalter?

Derzeit gibt es keinen, da noch kein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Es gibt aber einen Sachwalter. Dem können Betroffene ihre Ansprüche melden. Es ist Lucas Flöther von der Kanzlei Flöther Wissing.

Kann ich bei Zahlung via Lastschrift oder Kreditkarte den Flugticketpreis einfach zurück buchen?

Das wird wohl zumindest für Flugbuchungen vor dem 15. August 2017 nicht gehen, da die bis dahin gezahlten Flugpreise zur Insolvenzmasse gehören. Andernfalls könnte es Nachforderungen vom Sachwalter geben. Für Buchungen danach hat Air Berlin erklärt, eine Rückzahlung vorzunehmen, wenn die Flüge ausgefallen sind.

Kann man mit Airberlin buchen?

Als Fluggast gehen Sie bei Buchungen das Risiko ein, dass Ihre Flüge möglicherweise nicht stattfinden werden.

Bei einer Pauschalreise: Muss ich die Restzahlung leisten und wäre mein Geld dann durch den Sicherungsschein abgesichert?

Nehmen Sie die Restzahlung auf jeden Fall vor. Pauschalurlauber müssen sich keine Sorgen machen, denn der Veranstalter muss bei Flugausfall für Ersatz sorgen. Ein Sicherungsschein einer Pauschalreise schützt Sie aber nur vor einer Insolvenz des Reiseveranstalters, nicht eines Leistungsträgers wie der Airline. Dieses Risiko trägt der Veranstalter allein - und muss bei Flugausfall für Sie tätig werden.

Ist auch Niki Air insolvent?

Die Air-Berlin-Tochter Niki Air ist eine eigenständige GmbH und rein rechtlich nicht von der Insolvenz betroffen.

Schutz für alle Flugreisenden ist überfällig

Für den Fall der Insolvenz einer Fluggesellschaft fordern die Verbraucherzentralen seit Jahren einen Insolvenzschutz für alle Flugreisenden, nicht nur bei Pauschalreisen. Nun erklärt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands: "Das Nachsehen haben jene Kunden, die ihre Flüge selbst gebucht haben. Hier greift keine Versicherung. Jetzt rächt sich die Untätigkeit der Bundesregierung und der EU."