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Jahrespressekonferenz der Verbraucherzentrale des Saarlandes e.V.

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Bei den Rechtsberatungen und Rechtsbesorgungen ging es im vergangenen Jahr – wie schon in den Vorjahren – überwiegend um Beschwerden zu Online-Bestellungen in Fake-Shops, Abo-Fallen im Internet und Identitätsdiebstahl. “Das Thema Internet und unseriöse Anbieter ist ein Dauerbrenner im Beratungsalltag der Verbraucherzentrale. Unseriöse Seitenbetreiber, beispielsweise von Fake-Shops, haben Verbraucher tausendfach in Fallen gelockt. Hier heißt es weiter aufzuklären und Verbrauchern ein Rüstzeug an die Hand zu geben, wie man einen Fake-Shops erkennt und sich effektiv schützt.“ so Yvonne Schmieder, Juristin bei der Verbraucherzentrale.  

Jahrespressekonferenz VZ-Saar 2018
Jahrespressekonferenz der Verbraucherzentrale des Saarlandes e.V.
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Auch im Jahr 2017 war die Verbraucherzentrale des Saarlandes e. V. eine beliebte Anlaufstelle für Verbraucherinnen und Verbraucher aus dem ganzen Saarland. In über 40.000 persönlichen Kontakten am Telefon, in Beratungsgesprächen oder auf Veranstaltungen standen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ratsuchenden zur Seite. Dabei galt im vergangenen Jahr verstärkt ein besonderes Augenmerk den sensiblen Verbrauchergruppen Geflüchtete, Jugendliche und Senioren.

Bei Geflüchteten besteht ein erhöhter Beratungsbedarf. Sie sind weder mit der deutschen Sprache noch mit den Gesetzen und Vorschriften in Deutschland vertraut. Daher tappen sie häufig in die klassischen Verbraucherfallen. So verzeichnete die Schuldner- und Insolvenzberatung 2017 einen wahrnehmbaren Anstieg bei ratsuchenden Flüchtlingen, die vor allem durch ungünstige Handyverträge in finanzielle Schieflage gerieten. Mehrere Aufklärungsprojekte der Verbraucherzentrale gemeinsam mit dem Saarländischen Ministerium für Umwelt und für Verbraucherschutz widmeten sich daher speziell dieser Zielgruppe.

Im Sommer 2017 ging in diesem Zusammenhang der interaktive Facebook-Kanal WEBiTIPP an den Start: Auf humorvolle Art und Weise bietet er wertvolle Verbrauchertipps für Flüchtlinge – in Deutsch und Arabisch. Über WEBiTIPP kann man live und direkt mit dem Publikum in Kontakt treten. Geschäftsführer Jürgen Zimper zeigt sich sehr zufrieden: „Mit WEBiTIPP setzen wir neue Akzente, indem wir gezielt für Flüchtlinge auf unterhaltsame Weise interaktiv Verbraucherinformation anbieten. Dafür produzieren wir Filme, die wir auf Facebook entsprechend positionieren.“

Bei den Rechtsberatungen und Rechtsbesorgungen ging es im vergangenen Jahr – wie schon in den Vorjahren – überwiegend um Beschwerden zu Online-Bestellungen in Fake-Shops, Abo-Fallen im Internet und Identitätsdiebstahl. “Das Thema Internet und unseriöse Anbieter ist ein Dauerbrenner im Beratungsalltag der Verbraucherzentrale. Unseriöse Seitenbetreiber, beispielsweise von Fake-Shops, haben Verbraucher tausendfach in Fallen gelockt. Hier heißt es weiter aufzuklären und Verbrauchern ein Rüstzeug an die Hand zu geben, wie man einen Fake-Shops erkennt und sich effektiv schützt.“ so Yvonne Schmieder, Juristin bei der Verbraucherzentrale.

Die Beratungen im Bereich Finanzen wurden auch 2017 durch das Niedrigzinsumfeld bestimmt: „Bedingt durch das niedrige Zinsniveau bewegt viele Verbraucherinnen und Verbraucher die Frage nach der individuell empfehlenswerten Geldanlage und Altersvorsorge“, stellt Thomas Beutler, Leiter des Bereiches Finanzen fest.

Unter dem Motto „Verbraucher stärken im Quartier“ leistet die Verbraucherzentrale des Saarlandes seit 1. Dezember 2017 in Saarbrücken-Malstatt wichtige Pionierarbeit. Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV), der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und einzelner Verbraucherzentralen in den Ländern. Die Mittel stellt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) aus dem Programm "Soziale Stadt" zur Verfügung. Ziel ist ein regelmäßiges Informations- und Unterstützungsangebot für Verbraucherinnen und Verbraucher in strukturell schwachen Stadtteilen.

Auch 2017 konnte die Verbraucherzentrale des Saarlandes auf die Unterstützung durch das saarländische Ministerium für Umwelt und für Verbraucherschutz zählen. Dadurch konnten wichtige Projekte finanziert werden wie z.B.  die Workshops „Reparieren statt Wegwerfen“ und Schülerveranstaltungen zum Thema „Dein Handy und der Krieg im Kongo“ im Rahmen der Nachhaltigkeitskampagne der Staatskanzlei des Saarlandes.

Trotz einer starken Medien-Präsenz und bundesweiten Werbekampagnen gingen in der Energiesparberatung 2017 die Beratungszahlen im Vergleich zum Vorjahr zurück. Dennoch schneidet das Saarland in Punkto Beratungsdichte im Vergleich zum Bundesdurchschnitt sehr gut ab. Hoch im Kurs standen dabei die Energie-Checks vor Ort im Eigenheim oder in der Wohnung der Verbraucherinnen und Verbraucher. „Die Energiesparberatung der Verbraucherzentrale ist im Saarland nach wie vor stärker gefragt als im Bundesdurchschnitt. Viele Eigenheimbesitzer interessieren sich speziell für die neuen Heiz-Checks im Winter und die Solarwärme-Checks im Sommer. Daneben ist seit Jahren das Interesse an den staatlichen Förderprogrammen für die energetische Gebäudesanierung ungebremst.“, so Gertrud Truar, Koordinatorin der Energiesparberatung der Verbraucherzentrale. Die bundesweit hohe Effektivität und der durchschlagende Erfolg der Energieberatung wurde im vergangen Jahr durch eine unabhängige Untersuchung bestätigt. Diese vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) beauftragte Studie belegt, dass mehr als drei Viertel der Beratenen die empfohlenen Maßnahmen umsetzen und dabei eine deutlich höherwertige energetische Sanierung realisieren als Haushalte ohne Beratung. Insgesamt ist demnach die Energieberatung der Verbraucherzentrale bundesweit die am stärksten nachgefragte Energieberatung für private Haushalte. “ äußert sich Mathias Jünger, Regional-Manager im Energieprojekt.

Auch der Bereich Lebensmittel und Ernährung blickt auf erfolgreiche Projekte zurück: Im Januar 2017 ging die Internet-Plattform www.klartext-nahrungsergaenzung.de an den Start. Seither nutzten über eine halbe Million Ratsuchende das Informationsangebot sowie das Forum für individuelle Fragen.
„Wir müssen den Verbrauchern deutlich machen, dass Nahrungsergänzungsmittel eben nicht eine ungesunde Ernährung oder Lebensweise ausgleichen können und auch keine ‚harmlosen‘ Medikamente sind, wie die Aufmachung oftmals erwarten lässt. Da sind wir mit dem Portal
www.klartext-nahrungsergänzung.de auf einem guten Weg“, so Barbara Schroeter, Ernährungsreferentin der Verbraucherzentrale. Die ergänzenden Marktchecks zu Gelenkmittel oder speziellen Nahrungsergänzungsmittel für Kinder, an denen die Verbraucherzentrale des Saarlandes maßgeblich mitwirkte, belegen, dass die Werbung durchaus einen anderen Eindruck erweckt und öfter auch mit dem Tagesdosen über das Ziel hinaus gegangen wird. So entstehen teilweise sogar gesundheitliche Risiken.

Auch mit der jetzt verpflichtenden Nährwertkennzeichnung beschäftigten sich die Verbraucherzentralen intensiver. Das Ergebnis: Mit den Portionsangaben rechnen die Hersteller oft Ihre Produkte schön.

Einen konkreten Impuls für die Koalitionsverhandlungen gab das Projekt „Marktprüfung ambulante Pflegeverträge“, das von März 2016 bis Februar 2018 lief. Es sollte Verbraucherinnen und Verbraucher über ihre Rechte im Markt der ambulanten Pflege aufklären und diesen Markt genau beobachten. Projektkoordinator Martin Nicolay: „Das Projekt ‚Ambulante Pflegeverträge‘ war ein kleines Projekt mit großer Wirkung. In der Phase der großen Reform der Pflegeversicherung konnte der Blick auf die verbesserungsbedürftige Situation pflegebedürftiger Verbraucherinnen und Verbraucher gelenkt werden. Offenbar mit Erfolg: „Wir werden die Verbraucherrechte bei ambulanten Pflegeverträgen stärken.“, heißt es im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vom 12. März 2018.“

Das Jahr 2018 steht für die Verbraucherzentrale des Saarlandes e. V. unter dem Zeichen personeller Veränderungen. Geschäftsführer Jürgen Zimper und Ernährungsreferentin Barbara Schroeter werden im Juli ihren Ruhestand antreten. Frau Theresia Weimar-Ehl tritt die Nachfolge von Frau Schroeter an. Verabschiedung Jürgen Zimper und Barbara Schroeter

Herr Martin Nicolay wird die Geschäftsführung der Verbraucherzentrale übernehmen. „In dem inzwischen höheren Stellenwert von Verbraucherschutz in Politik und Gesellschaft sehe ich eine gute Grundlage für die Verbraucherarbeit in der Zukunft; denn die Herausforderungen durch die Digitalisierung werden zunehmen“, so abschließend Zimper.