Altersvorsorge - Die beiden Experten der Verbraucherzentrale des Saarlandes e.V. Werner Kiefer und Thomas Beutler haben folgende Fragen beantwortet:

Pressemitteilung vom
Off

1. Frage: Was halten Sie von der Rürup Rente?

Bei der Rürup-Rente, auch Basisrente genannt, handelt es sich um eine vom Staat geförderte Altersvorsorge. Die Förderung erfolgt hier durch Steuervorteile. Die Hauptzielgruppe für diese Form der Altersvorsorge sind Selbstständige und Freiberufler, die keinen Riester-Vertrag abschließen können.

Einzahlungen in die Rürup Rente können als Vorsorgeaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden. Wie stark sich die Steuervorteile auswirken, liegt an der Höhe der Einzahlungen und ihrer persönlichen steuerlichen Situation. Alle eingezahlten Beträge in die Rürup Rente sind vor staatlichem Zugriff geschützt. Das Kapital kann auch nicht beliehen oder verpfändet werden.In der Rentenphase ist die Rürup Rente voll steuerpflichtig.Die Rürup Rente funktioniert grundsätzliche wie die gesetzliche Rente. Das heißt, es ist eine lebenslange Verrentung vorgesehen. Eingezahltes Kapital verfällt bei Tod. Allerdings kann man sich hier auch entsprechende Optionen einbauen lassen, um dies zu verhindern (Hinterbliebenenschutz). Diese gibt es natürlich nicht kostenlos, sondern schmälern die Ablaufleistung.

Generell muss man hier Vor- und Nachteile gut miteinander abwägen. Vieles hängt auch von der Qualität des jeweiligen Vertrages ab. Hier gibt es große Unterschiede.

2. Frage: Ich habe vor kurzem gehört, dass die Auszahlung meiner Betrieblichen Altersversorgung durch Beiträge in die Krankenversicherung empfindlich geschmälert wird. Stimmt das?

Ja, denn Betriebsrenten sind in der Auszahlungsphase nicht nur steuerpflichtig, sondern auch mit dem vollen Beitragssatz krankenversicherungspflichtig. Dies ist für die künftige Ruhestandsplanung natürlich sehr wichtig zu berücksichtigen, denn dies schmälert die Rente, bzw. die Kapitalabfindung beträchtlich.

Privat krankenversicherte sind von dieser Beitragspflicht befreit.

3. Frage: Welche Vor und Nachteile hat die Riester-Rente?

Fangen wir mal mit den Vorteilen an:

Die Riester Rente ist staatlich gefördert, das heißt der Staat beteiligt sich am Kapitalaufbau in Form von Zulagen (Grundzulage und Kinderzulage). Zudem wirken sich Einzahlungen unter Umständen auch steuerlich aus. Hier muss man allerdings den Einzelfall betrachten.

Eingezahltes Kapital ist ebenso wie die Rürup-Rente vor staatlichem Zugriff geschützt. Dies kann in Notlagen, in denen man auf Sozialhilfe angewiesen ist, sehr vorteilhaft sein.

Weiterhin gibt es in allen Riester-Verträgen eine Beitragsgarantie inklusive der Zulagen. Die staatliche Riester Förderung gibt es für Versicherungsprodukte, Fondssparpläne, Banksparpläne und sogar auf Darlehen (Wohnriester).

Riester Verträge verfügen weiterhin über eine gewisse Flexibilität, die man in anderen Altersvorsorgeverträgen so nicht findet. So kann man in der Sparphase Zulage-unschädlich den Anbieter wechseln. Hierfür darf der abgebende "alte" Anbieter max. 150 € Wechselkosten verlangen. Außerdem kann man Kapital in Riester Verträgen vorzeitig zur Entschuldung von selbstgenutzten Wohneigentum entnehmen.

Kommen wir zu den Nachteilen:

Leider gibt es zahlreiche Verträge, die schlicht zu teuer sind. Hier fallen sehr hohe Kosten, vor allem in der Anfangszeit an, so dass man auf keine hohe Rendite kommen kann. Die Riesterrente ist in der Auszahlphase voll steuerpflichtig, wird also nachgelagert besteuert.Sie können am Ende das angesparte Kapital zu max. 30% entnehmen. Der Rest muss als Rente ausgezahlt werden.Immer wieder kritisiert wird auch die Anrechenbarkeit der Riesterrente auf die Grundsicherung (Sozialhilfe im Alter). Dies kann als sehr ungerechte Regelung angesehen werden, denn es werden gerade Einkommensschwache Bevölkerungsanteile benachteiligt. Womöglich wird es hier aber noch zu Nachbesserungen kommen.

Bei der Auswahl des richtigen Riester Vertrages sind wir in der Verbraucherzentrale in unseren Beratungsgesprächen gerne individuell für sie da und unterstützen sie in der Entscheidungsfindung.

4. Frage: Welche Altersvorsorgeform lohnt sich für mich am meisten?

Das kommt auf Ihre konkrete Vorsorgesituation an.

Die Riester Rente ist für Sie interessant, wenn Sie von der Zulagenförderung oder dem Sonderausgabenabzug besonders profitieren. Während die Zulagenförderung insbesondere für Geringverdienende mit mehreren Kindern interessant ist, profitieren vom Sonderausgabenabzug vor allem gutverdienende Arbeitnehmer.

Die Riester Förderung ist der betrieblichen Altersvorsorge oft überlegen, wenn der Arbeitgeber keine Zusatzzahlung vornimmt und nur eine Gehaltsumwandlung stattfindet. Bei erheblichen Zuzahlungen des Arbeitgebers und günstigen Gruppenverträgen können besonders Berufsanfänger mit noch geringen Einkünften mit der betrieblichen Altersvorsorge besser fahren.

Angesichts des niedrigen Zinsniveaus ist die Immobilienfinanzierung derzeit sehr günstig. Sofern dies geplant ist und die Finanzierung stimmt, sollte man jetzt über diese Form der Altersvorsorge nachdenken. Über alle Aspekte der Finanzierung beraten die Baufinanzierungsexperten der Verbraucherzentrale des Saarlandes.

5. Frage: Soll ich meine Kapitallebensversicherung weiterführen, beitragsfrei stellen oder kündigen?

Altverträge, die vor dem 01. 01. 2005 abgeschlossen wurden, weisen noch eine hohe Garantieverzinsung auf und sind bei Kapitalauszahlung steuerfrei. Diese sollten daher nur in Notfällen gekündigt werden. Besser ist die Fortführung oder Beitragsfreistellung, da derart hohe Zinsen am Kapitalmarkt derzeit für sichere und steuerfreie Produkte nicht zu erzielen sind.

Verträge ab 2005 sind unter bestimmten Voraussetzungen teilweise steuerbefreit. Hier sollte man prüfen, ob der Vertrag angesichts der Kostenbelastung und des Garantiezinses weitergeführt, beitragsfrei gestellt oder gar gekündigt werden sollte. Hierbei ist die Verbraucherzentrale behilflich.

Die Wertentwicklung fondsgebundener Kapitallebensversicherungen richtet sich nach der Wertentwicklung der Fonds. Sie sind daher risikoreich und nur für Sparer geeignet die diese Risiko bewusst eingehen möchten.

Weiter Informationen finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale www.vz-saar.de sowie in den Beratungsstellen

- Dillingen, Merziger Straße 46, Tel. 06831-976565 ,

- Merzig, Am Gaswerk 10, Tel. 06861-5444 und

- Saarbrücken, Trierer Straße 22, Tel. 0681-500890.


Die Informationen werden gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Projektes Wirtschaftlicher Verbraucherschutz.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.