Fragen und Antworten zu Wärmedämmstoffen

Pressemitteilung vom
Die Energieberaterinnen Dipl.-Ing. Christine Mörgen und Architektin Verena Feld beantworteten den Lesern der Saarbrücker Zeitung Fragen zum Thema Dämmstoffe.

Was ist eine ökologische Dämmung?
Wärmedämmstoffe
Wärmedämmstoffe

- Welche Materialien sind für die Dämmung von Kellerdecken geeignet und was ist bei der Dämmung zu beachten?

- Unsere Außenwand ist sehr dick! Sollte sie trotzdem gedämmt werden?

- Welcher Dämmstoff ist für Außenwände geeignet?

-  Welche Materialien eignen sich zur Dämmung der oberen Geschoßdecke?

- Hat die vermehrte Algenbildung auf gedämmten Fassaden etwas mit der Auswahl der verwendeten Materialien zu tun?

- Ich möchte mein geplantes Haus gar nicht „einpacken“, kann ich massiv bauen oder welche Alternativen gibt es?

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Die Energieberaterinnen Dipl.-Ing. Christine Mörgen und Architektin Verena Feld beantworteten den Lesern der Saarbrücker Zeitung Fragen zum Thema Dämmstoffe.

Was ist eine ökologische Dämmung?

Christine Mörgen:

Wichtig für die Ökobilanz ist, dass durch die verwendeten Dämmstoffe mehr Energie eingespart wird als zu Ihrer Herstellung benötigt wurde. Weitere wichtige Aspekte sind die Ressourcenschonung (nachwachsende Dämmstoffe wie Hanf, Seegras oder Schafwolle) und die gesundheitliche Verträglichkeit.

Nicht nur die verwendeten Rohstoffe sind entscheidend für die Ökobilanz, sondern auch das Herstellverfahren. Grundsätzlich lassen sich Dämmstoffe in drei Kategorien einteilen.

  • Dämmstoffe, die aus Erdöl hergestellt werden (Verbrauch wichtiger Ressourcen), wie Polystyrole, die man jedoch für die Dämmung erdberührter Bauteile benötigt
  • Dämmstoffe, die aus mineralischen Stoffen hergestellt werden (energieintensive Herstellung), wie Glaswolle, Mineralwolle oder Mineralfaserdämmplatten, die insbesondere aus brandschutztechnischen Gründen eingesetzt werden.
  • Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, die vielfältige Einsatzgebiete haben, je nach Verarbeitungszustand
     

Wie kann ich feststellen ob der Dämmstoff sich für den geplanten Einsatz eignet?

Christine Mörgen:

Dämmstoffe haben eine Kennzeichnung und die Anwendungsgebiete von Dämmstoffen sind genormt. Sie werden entsprechend der in der DIN 4108-10 vorgegebenen Kurzzeichen nach Anwendungsgebiet gekennzeichnet.

Für Dach und Decke gelten zum Beispiel die Kurzzeichen: DZ für Zwischensparrendämmung  oder DAA für Außendämmung von Dach, witterungsgeschützt unter der Deckung.

Für die Außenwand: WAB Außenwanddämmung hinter Bekleidung und WAP, für Außenwanddämmung unter Putz

Zusätzlich gibt es noch die Kürzel für die Eigenschaften wie zum Beispiel: dk für keine Druckbelastbarkeit oder dh für hohe Druckbelastbarkeit.


Welche Materialien sind für die Dämmung von Kellerdecken geeignet und was ist bei der Dämmung zu beachten?

Christine Mörgen:

Mit etwas handwerklichem Geschick kann man die Dämmung der Decke im Keller selbst ausführen. Bei glatten Betondecken kann die Dämmung einfach unter die Kellerdecke geklebt werden. Es muss darauf geachtet werden, dass der zum Dämmprodukt passende Kleber verwendet und flächig aufgetragen wird. Gut geeignet sind Polystyrolplatten oder auch Holzweichfaserplatten, mit denen sich auch Wasser-, Heizungs- und Stromleitungen „verpacken“ lassen. Wichtig ist, dass bei der Dämmung keine Hohlräume entstehen.

Grundsätzlich gilt, dass nur gedämmt werden darf, wenn das Bauteil trocken ist.

Unsere Außenwand ist sehr dick! Sollte sie trotzdem gedämmt werden?

Christine Mörgen

Eine dicke Außenwand wirkt aufgrund Ihrer Speichermasse verzögernd auf den Temperaturverlauf im Haus, kann jedoch nicht die Energieverluste verringern.

Ein dickes Bruchsteinmauerwerk kann sich positiv auf die Raumtemperaturen im Sommer auswirken, kühlt jedoch im Winter stark aus und leistet keinen Beitrag zur Energieeinsparung. Hier hilft nur Dämmen. Welcher Dämmstoff geeignet ist, hängt von der Zusammensetzung des Mauerwerks ab. Bei hohen Sandsteinanteilen und relativ viel gebundener Feuchtigkeit im Mauerwerk empfiehlt es sich einen Mineralfaserdämmstoff zu wählen.

Welcher Dämmstoff ist für Außenwände geeignet?

Christine Mörgen

Wer bei der Wärmedämmung Wert auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung legt, hat  eine große Auswahl: Zahlreiche Alternativen zu den herkömmlichen erdölbasierten Materialien wie Polystyrole oder der in der Herstellung energieintensiven Mineralfaserdämmung stehen zur Verfügung.

Bei der Auswahl eines Dämmstoffes müssen Sie immer auf die Produktkennzeichnung achten, aus der Sie ersehen können für welche Anwendungen das Material zugelassen ist.

Hanffaserplatten und Holzweichfaserplatten eignen sich auch für Außenwanddämmungen. Der Dämmstoff muss dazu mit dem Kennzeichen WAP (Wärmedämmung der Wand unter Putz) gekennzeichnet sein.

Einblasdämmungen aus Zellulose in vorgesetzte Holzwandkonstruktionen oder bei zweischaligen Mauerwerkkonstruktionen sind auch denkbar.

Naturfaserdämmstoffe sind allerdings nicht widerstandsfähig genug gegen Druck und Feuchtigkeit, weswegen der Einsatzbereich im Erdreich nicht möglich ist. In diesem Bereich muss mit dafür geeigneten Polystyrol-Dämmplatten mit der Bezeichnung PW (außenliegende Wärmedämmung gegen Erdreich) oder PB (außenliegende Wärmedämmung unter der Bodenplatte)  gedämmt werden.

Ich möchte die obere Geschoßdecke meines Hauses selbst dämmen. Welche Materialien eignen sich dafür?

Verena Feld:

Idealerweise kann der Speicherboden mit Matten aus Mineralwolle bzw. Steinwolle ausgelegt werden. Wenn die Decke immer noch begehbar sein oder zu Lagerzwecken genutzt werden soll, empfiehlt es sich eine Unterkonstruktion aus Holz zu errichten, in welche der Dämmstoff eingelegt wird. Bei massiven Betondecken wird unter der Dämmung keine Dampfsperre benötigt. Allerdings bei den meisten Holz- oder Stahlträgerdecke wird eine Dampfbremse durchaus benötigt, damit kein Wasserdampf durch die Decke in die Dämmung eindringen kann. In Bezug auf Brandschutz schneidet Mineralwolle sehr gut ab. Auch baubiologische Dämmstoffe können zum Einsatz auf dem Speicherboden kommen, wie z.B. Hanf- oder Holzweichfasermatten. Zellulosedämmung kann z.B. in bestehende Gefächer eingeblasen werden, aber auch hier darf man Dampfsperre nicht vergessen. Weniger gut im Dachbereich sind geschäumt Hartschaumplatten wie PIR/PUR oder Polystyrol. Diese würden im Brandfall abtropfen und das Gebäude mehr oder weniger kontaminieren und dünsten durch die erhöhten Temperaturschwankungen im Speicher auch etwas aus. Geeignet wäre eine Styrodurplatte jedoch zur Dämmung der Bodentreppe. Auf den Deckel aufgeklebt und mit einem Dichtband versehen wird so die Schwachstelle der Luke minimiert.

Hat die vermehrte Algenbildung auf gedämmten Fassaden etwas mit der Auswahl der verwendeten Materialien zu tun?

Verena Feld:

Nein. Die Tatsache, dass gedämmte Fassaden eher veralgen als ungedämmte Außenwände hat damit zu tun, dass die Oberflächen der Außenwände eben durch die Dämmung nach außen weniger Wärme abgeben und somit kälter sind. Demnach sind – und das kommt immer auf die Lage des Gebäudes an – die Fassaden unter Umständen länger feucht und trocknen weniger schnell ab. Häufig werden daher Pestizide den Anstrichen beigemischt um die unschönen Fleckenbildungen auf der Fassade zu vermeiden. Dies wiederrum belastet unsere Böden und das Grundwasser und sollte tunlichst vermieden werden. Eine Alternative zur verputzten Fassade bzw. des Wärmedämmverbundsystems bietet daher die hinterlüftete Fassade. Hier kann man als Dämmstoff Mineralwolle oder auch ökologische Materialien einsetzten. Als äußere Beplankung kann alternativ zur Putzträgerplatte hier ein anderes Material wie z.B. eine Holzverschalung, Metall, Schiefer oder Faserzementplatten in allen möglichen Ausführungen gewählt werden. Diese Systeme bieten dem Gebäude nicht nur neue Gestaltungsmöglichkeiten, sondern sind auch wesentlich langlebiger und nachhaltiger. Zu konkreten Ausführungsbeispielen fragen Sie Ihren Berater der Verbraucherzentrale.

Ich möchte mein geplantes Haus gar nicht „einpacken“, kann ich massiv bauen oder welche Alternativen gibt es?

Verena Feld:

Nach den gesetzlichen Vorgaben, muss ein neues Gebäudes bestimmte Wärmeschutzziele erfüllen, das heißt auch die Außenbauteile wie die Wände müssen bestimmte Werte zur Minimierung des Wärmeverlusts erfüllen. In massiver Bauweise würde das bedeuten, dass entweder ein Stein mit einer Füllung aus Dämmstoff (z.B. Perlite) eingesetzt wird, oder dass mit einem Hohlblockstein von erhöhter Dicke (36,5 oder 42 cm) gearbeitet werden muss. Jedoch werden Niedrigenergiehausstandards damit nur schwierig bis kaum erreicht. Alternativ zum Massivbau ohne Wärmedämmverbundsystem wäre der Holzrahmenbau. Hier wird der Dämmstoff direkt innerhalb der Tragebene, also im Rahmen eingebaut. Sehr gut können hier neben Mineralwolle auch baubiologische Dämmstoffe eingesetzt werden, die das Gebäude ökologisch noch wertiger machen.

Individuelle Beratung zum Thema Wärmedämmstoffe sowie zu allen Fragen des Energiesparens bietet die Verbraucherzentrale an. Dank der Bundesförderung für Energieberatung der Verbraucherzentrale sind die Beratungen in den Niederlassungen im Saarland kostenfrei, ebenso die telefonische Rückrufberatung und die Video-Chat-Beratung. Termine zur persönlichen Beratung können unter 0681 50089-15 vereinbart werden oder per E-Mail unter Energieberatung@vz-saar.de.

Mehr Information zu den Beratungsangeboten gibt es auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de  oder unter www.verbraucherzentrale-saarland.de.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.

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