Gut gerüstet für die Aufgaben der Zukunft

Pressemitteilung vom

Die Arbeit der Verbraucherzentrale war im vergangenen Jahr vor allem geprägt durch die Einbindung in ein neues Bundesprojekt: Die Marktwächter Finanzen und Digitale Welt. Durch ein Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland soll ein gemeinsames <br/>
Frühwarnsystem aufgebaut werden.

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Auch 2015 waren Rat und Informationen der Verbraucherzentrale bei den saarländischen Bürgerinnen und Bürgern gefragt. Fast 47.000 persönliche Kontakte und rund 56.000 erfasste Besuche der Internetseite belegen dies. Die Arbeit der Verbraucherzentrale war im vergangenen Jahr vor allem geprägt durch die Einbindung

in ein neues Bundesprojekt: Die Marktwächter Finanzen und Digitale Welt. Durch ein Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland soll ein gemeinsames Frühwarnsystem aufgebaut werden.

Geschäftsführer Jürgen Zimper: "Die Erfahrungen im Marktwächter Finanzen zeigen, dass Banken viel stärker den persönlichen Bedarf der Ratsuchenden abdecken müssen. Im Fokus des Marktwächters Digitale Welt standen Reklamationen zu Telekommunikationsverträgen. Hier ging es vor allem um unbewusst abgeschlossene Abos von Drittanbietern. Die Verbraucherzentrale fordert daher die Politik auf, eine generelle Drittanbietersperre auf den Weg zu bringen. Das Saarland hatte auf der letzten Verbraucherschutzministerkonferenz im April 2016 eine entsprechende Initiative angestoßen."

Auch bei den kontrovers geführten Diskussionen zu TTIP (Transatlantisches Freihandelsabkommen zwischen EU und USA) redete die Verbraucherzentrale 2015 ein Wort mit und forderte Transparenz für Verbraucher und den Erhalt des EU-weiten Vorsorgeprinzips.

Im Bereich Lebensmittel und Ernährung lag der Schwerpunkt 2015 auf dem Thema "Richtiger Umgang mit Haushaltsutensilien und Geschirr aus Kunststoff". "Durch eine falsche Anwendung z. B. von Silikonbackformen, Geschirr aus Melamin, Mikrowellendosen oder Pfannenwendern können Schadstoffe in Lebensmittel übergehen. Daher ist im Umgang mit Haushaltsutensilien aus Kunststoff besondere Vorsicht geboten", so Ernährungsreferentin Barbara Schroeter. Tipps zu diesem Thema geben zwei Videospots aus der Serie "Verbraucherschutz in 100 Sekunden" und die Internetseite www.vz-saar.de/marktcheck-küchenutensilien.

Im Fokus stand auch eine kritische Betrachtung von vegetarischen bzw. veganen Ersatzprodukten. Zusammen mit dem Saarländischen Rundfunk testete die Verbraucherzentrale Saar vegetarische bzw. vegane Brotbeläge. Dabei enttäuschten die Wurst-Ersatzprodukte nicht nur in Punkto Geschmack. Sie werden zum großen Teil aus isolierten Eiweißen hergestellt. Diese werden aus allergenträchtigen Pflanzen, wie z. B. Soja oder aus tierischen Rohstoffen, wie z. B. Hühnereiweiß gewonnen.

Ein wesentlicher Fokus lag auch auf dem Thema "Regionale Lebensmittel". Dazu wurde 2015 eine Marktuntersuchung durchgeführt. Da Verbraucher großes Vertrauen in regionale Produkte haben, locken Hersteller und Handel mit regionalen Herkunftsangaben in der Werbung. Die Studie deckte jedoch Diskrepanzen zwischen der beworbenen und der tatsächlichen Herkunft auf.

Auch die Energiesparberatung blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurück. "Trotz geringem Heizbedarf und sinkendem Ölpreis konnten wir die Beratungszahlen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2014 steigern", so Gertrud Truar, Koordinatorin im Energieprojekt. Die Energiesparberatung, die gefördert wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, umfasste 2015 die stationäre Beratung an 19 Stützpunkten im Saarland, kostenlose Vorträge zu Energiesparthemen sowie Energie-Checks beim Verbraucher zuhause. Das Angebot an Energie-Checks, das dank der hohen Eigenheimquote im Saarland sehr gefragt ist, konnte 2015 erweitert werden: Zu den Gebäude-Checks und Detail-Checks für Eigenheimbesitzer sowie den Basis-Checks für Mieter kamen im vergangenen Jahr Heiz-Checks hinzu. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekt im Jahr 2015 sind im aktuellen Jahr 2016 auch Checks von Solarthermie-Anlagen in das Energieberatungsangebot aufgenommen worden.

In der Verbraucherrechtsberatung lagen die Schwerpunkte in den Bereichen Telekommunikation, Identitätsdiebstahl, Abofallen im Internet, Kaufverträge, Handwerkerleistungen und Reiserecht. Wie in den vergangenen Geschäftsjahren führten auch 2015 Fragen zu abgelehnten Garantie- bzw. Gewährleistungsansprüchen im Handel die Liste der Beschwerden an. In diesem Zusammenhang waren die Beratungen und Rechtsbesorgungen eine wertvolle Unterstützung für Verbraucher. Dank der Kooperation zwischen Arbeitskammer und Verbraucherzentrale profitierten Arbeitskammer-Mitglieder zusätzlich von günstigeren Beratungstarifen.

Mit acht Workshops an saarländischen Schulen zum Thema "Dein Handy und der Krieg im Kongo" unterstützte die Verbraucherzentrale die Nachhaltigkeitskampagne: "Verantwortung und Nachhaltigkeit. Mach mit!" der saarländischen Staatskanzlei. Jugendliche sollen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit diesem Thema sensibilisiert werden.

2015 nahmen viele Ratsuchende die objektive und unabhängige Beratung der Verbraucherzentrale zu den Themen Altersvorsorge und Geldanlage in Anspruch. Finanzexperte Thomas Beutler: "Aufgrund der Vielzahl der Produktformen herrscht eine starke Verunsicherung. Hinzu kommt ein historisch niedriges Zinsniveau. Hier müssen wir objektiv über Möglichkeiten informieren, die auf die individuelle Situation des Verbrauchers zugeschnitten sind." Auch 2015 war die Überprüfung fehlerhafter Widerrufsbelehrungen bei Darlehensverträgen sehr gefragt. In vielen Fällen wurde durch die Anregung der Verbraucherzentrale eine für den Verbraucher günstige Regelung mit dessen Bank gefunden.

Im vergangenen Jahr konnten die Mitarbeiter der Schuldner- und Insolvenzberatung über 400 Hilfesuchenden weiterhelfen. Die Insolvenzrechtsreform von Juli 2014 sieht eine mögliche Verkürzung der Insolvenzlaufzeit vor. Erfahrungswerte zeigen, dass ein Großteil der Verfahren bereits nach fünf Jahren abgeschlossen werden kann.

Nach den Erkenntnissen und Erfahrungen des vergangenen Jahres sieht der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Krause die Verbraucherzentrale gut gerüstet für die Aufgaben der Zukunft: "Die zunehmende Digitalisierung in allen Lebensbereichen ist eine große Herausforderung für Verbraucherschützer. Nicht zuletzt stellt uns der demographische Wandel vor neue Aufgaben in den kommenden Jahren. So ist die saarländische Verbraucherzentrale an einem Pilotprojekt des Bundesministeriums für Verbraucherschutz zum Thema Pflege beteiligt: Sie soll ambulante Pflegeverträge unter Verbraucherschutzaspekten bewerten."

Der Jahresbericht der Verbraucherzentrale ist am 18.07.16 im Saarländischen Rundfunk in der Sendung Aktueller Bericht vorgestellt worden.

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