Weg zu mehr Verbraucherorientierung in der Energiewende

Pressemitteilung vom

Mehr Energiewende - Weg zu mehr Verbraucherorientierung in der Energiewende

Die Verbraucherzentrale des Saarlandes begrüßt die Absicht der Bund-Länder-Kommission vom 31. Mai 2016, die Energiepreise stabil zu halten.

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Die Verbraucherzentrale des Saarlandes begrüßt die Absicht der Bund-Länder-Kommission vom 31. Mai 2016, die Energiepreise stabil zu halten. Ebenso ist die Entscheidung zur Forcierung ausreichender Stromtrassen für den Transport von Windstrom in den Süden der Republik ein notwendiger Fortschritt.

Die Diskussion findet allerdings aus Sicht der Verbraucherzentrale in einer unzulässigen Verengung auf den Bereich "Stromerzeugung" statt, so Jürgen Zimper, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale. "Im Sinne der Verbraucher ist das Energiethema breiter aufzustellen und sollte insbesondere den Bereich der Heizenergie mit erfassen." Aus Sicht der Verbraucherzentrale gibt es auf Strom- und Wärmemärkte über Konzentrationsprozesse immer Tendenzen zur Monopolbildung. Dies wirkt sich in der Regel negativ auf die Preisbildung aus. Daher sollten im Sinne einer Verbraucherorientierung alle politischen Entscheidungen und die Rahmensetzungen für das wirtschaftliche Agieren auf einen funktionierenden Markt hin ausgerichtet sein. Darüber hinaus sollten die technischen Entwicklungen von intelligenten Stromzähler wie Smart Grid und dezentralen Speicher- und Energieerzeugungsanlagen dazu genutzt werden, die Abhängigkeiten der Verbraucher von Energielieferanten zu verringern und bei Beachtung des Datenschutzes die Steuermöglichkeiten der Verbraucher bei ihrer Energienutzung zu verbessern.

Erste innovative Ansätze sind hier z. B. Schwarmstromkonzepte, bei dem viele kleine Miniblockheizkraftwerke bedarfsgerecht Strom liefern, erläutert Reinhard Schneeweiß, Architekt und Energieberater der Verbraucherzentrale. Auf der Speicherebene gibt es hier die Möglichkeit über viele kleine Elektrospeicher Überkapazitäten des Strommarktes bedarfsgerecht "zwischenzulagern". Bei beiden Ansätzen hat der Verbraucher die Möglichkeit vom reinen Verbraucher auch zum Teil des Marktgeschehens zu werden. Dies stellt den Energiemarkt auf eine breitere Basis, verhindert Abhängigkeiten und beteiligt größere Bevölkerungsschichten an den wirtschaftlichen Gewinnen. Gerade dem Endverbraucher, der mit viel persönlichem Engagement seinen Beitrag zur Energiewende leisten möchte, sollte diese Möglichkeit auch in Zukunft gegeben werden.

Fraglich ist vor diesem Hintergrund die Entscheidung für Ausschreibungsmodelle zur ansonsten begrüßenswerten Dämpfung der Zuschüsse bei der EEG-Umlage. Die Verbraucherzentrale befürchtet, dass hier insbesondere die großen Energiekonzerne unter Preis und ohne Gewinnabsicht anbieten, um unliebsame kleinere Konkurrenten los zu werden und den Markt zu dominieren. Dies würde im Endeffekt zu Konzentrationsprozessen führen, die im Ergebnis dann wieder nachteilig für die Verbraucher sein können. In Oligopol- und Monopolsituationen bestimmen die Marktführer den Preis, der Verbraucher hat keine Alternativen.

Negative Auswirkungen von Anbieterkonzentrationen sind für Verbraucher bereits heute spürbar, wenn es um die Themen Fernwärme, Gas und Öl geht. Aufgrund der geringen Anzahl globaler Anbieter im Gas- und Ölsektor sind die Preise im Wesentlichen vom Weltmarktgeschehen abhängig. Bei Fernwärme hat der Endverbraucher in der Regel keine Wahl. Er muss den Preis akzeptieren, der ihm vorgegeben wird oder seine Wohnung bleibt kalt.

Vor diesem Hintergrund sieht die Verbraucherzentrale des Saarlandes die Energiewende als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht allein dem Marktgeschehen überlassen werden darf. Dies betrifft den Bau von Stromtrassen genauso wie die Stabilität der Energiepreise und die Schaffung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, die den Energiemarkt auf eine breitere Basis stellt. Von daher ist auch die Steuerpolitik gefragt.

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