Transparenz und Klarheit für Verbraucher

Pressemitteilung vom

Mit über 52.500 persönlichen Kontakten und vielen praktischen Informationen auf der Internetseite konnte die Verbraucherzentrale Saarland 2016 einen erheblichen Beitrag zur Markttransparenz und –klarheit leisten.

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Die zunehmende Digitalisierung in allen Lebensbereichen öffnete auch im vergangenen Jahr wieder Tor und Tür für neue Tricks und Maschen zur Abzocke der saarländischen Verbraucherinnen und Verbraucher.

Geschäftsführer Jürgen Zimper: "Die zunehmende Digitalisierung in fast allen Lebenswelten ermöglicht eine Vielzahl von unlauteren Geschäftsmodellen. Die steigende Komplexität ist dabei verbunden mit einer hohen Intransparenz der Angebote. Für Verdruss beim Verbraucher sorgten 2016 kostenpflichtige Vertragsabschlüsse bei angeblichen Free-Mail-Accounts, Fake-Shops und Identitätsdiebstähle im Internet sowie ständig neue Geschäftsmodelle der Telekommunikationsanbieter. Dies stellt unsere Arbeit bei Beratung und Interessen-vertretung vor immer neue Herausforderungen. Der Koalitionsvertrag 2017 der saarländischen Landesregierung gibt uns eine mögliche Perspektive, damit die notwendigen Ressourcen für die Zukunft sichergestellt werden können."

Klarheit schaffen hieß 2016 auch Farbe bekennen: Die Verbrauchzentrale Saarland kritisierte anlässlich des Weltverbrauchertages im März 2016 gemeinsam mit Verbraucherschutzminister Reinhold Jost die Intransparenz beim geplanten Transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP. Im Hinblick auf die Landtagswahl in 2017 führte die Verbraucherzentrale Saarland bereits 2016 Gespräche zum Verbraucherschutz mit den Landtagsfraktionen. Einige Vorschläge haben Eingang in den Koalitionsvertrag 2017 gefunden.

Im Bereich Lebensmittel und Ernährung lag der Schwerpunkt 2016 auf dem Thema "Nahrungsergänzungsmittel – Klartext zu einer sensiblen Branche". Der Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln stellt einen Milliardenmarkt dar. Trotz klarer gesetzlicher Regelungen wecken Aufmachung und Texte der Produktverpackungen falsche Vorstellungen beim Verbraucher bezüglich Sinnhaftigkeit dieser Mittel für die Gesundheit. Auf der Internetseite www.klartext-nahrungsergänzung.de klären die Verbraucherzentralen daher mit weitreichenden Informationen zu diesem Thema sowie Marktbeobachtungsergebnissen auf. "Eine Internetseite zum Thema "Nahrungsergänzungsmittel" ist schon lange überfällig. Das Thema "Gesundheit" beschäftigt die Verbraucher zunehmend intensiv.

Deshalb sind sie besonders empfänglich für vielversprechende Werbebotschaften, die mit fitten und fröhlichen Menschen auf den Verpackungen und in der Werbung noch unterstrichen werden.", so Barbara Schroeter, Ernährungsreferentin der Verbraucherzentrale. Ein weiteres Augenmerk galt dem Thema "Klarheit und Transparenz beim Einkauf regionaler Lebensmittel." Der Begriff "Regionalität" wird von vielen Handelsketten als Marketing-argument genutzt. Ein Marktcheck der Verbraucherzentralen zeigt jedoch, dass oft nur die letzte Verarbeitungsstufe der Lebensmittel in der Region stattfindet. Die einzelnen Zutaten haben vorher jedoch weite Transportwege zurückgelegt. Zu diesem Thema bietet die Internetseite www.verbraucherzentrale.de/regionale-produkte weitere Informationen.

Dank des ständig steigenden Bekanntheitsgrades konnte die Energiesparberatung ihre Beratungsdichte im Saarland weiter verbessern. Gezielte PR-Aktionen wie wöchentliche Energiespartipps und die Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen wie der Energiesparmesse in Dillingen machten 2016 auf das vielfältige Beratungsangebot aufmerksam. Die Energiesparberatung, die gefördert wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, umfasste 2016 die stationäre Beratung an 19 Stützpunkten im Saarland, kostenlose Vorträge zu Energiesparthemen sowie Energie-Checks beim Verbraucher zuhause.

Auch 2016 hatten die saarländischen Verbraucherinnen und Verbraucher einen hohen Beratungsbedarf in Punkto Versicherungen und Finanzen. Hierbei ging es vor allem um laufende Versicherungsverträge, Betriebliche Altersvorsorge, Orientierung zur Geldanlage sowie Aufklärung bei Falschberatung und Probleme mit Bausparkassen. In Sachen Altersvorsorge führten das anhaltende Zinstief, widersprüchliche Medienberichte und immer neue Produktkreationen zur Verunsicherung bei den Verbrauchern. Für Verdruss sorgten auch unzulässige oder überzogene Bankentgelte sowie Kündigungen von älteren hochverzinsten Bausparverträgen durch Bausparkassen.

Im Januar 2016 ging ein neues Projekt der Verbraucherzentrale Saarland erfolgreich an den Start: die Banktour. Jugendlichen sollen dabei ein eigenverantwortlicher Umgang mit Geld und Wissen über ihre Rechte als Verbraucher näher gebracht werden. Die Banktour wurde bereits 2015 als bundesweite Aktion im Rahmen des Projektes "Wirtschaftlicher Verbraucherschutz" entwickelt. 2016 fand die Banktour in Kooperation mit drei saarländischen Schulen statt. Thomas Beutler, Berater für Finanzen und Altersvorsorge: "Die Banktour ist äußerst sinnvoll und wichtig, denn die Jugendlichen erkennen, dass die Banken Dienstleister sind, die Produkte verkaufen. Sie lernen, die unterschiedlichen Angebote in Bezug auf die Konditionen und Preise zu vergleichen." Das Schülerprojekt, das gefördert wird vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, stieß auf positive Resonanz in den regionalen und überregionalen Medien. Im April 2016 wurde es auf der Finanzkompetenzmesse FINKOM in Berlin mit dem Goldenen Finken ausgezeichnet.

Die Schuldner- und Insolvenzberatung konnte 2016 wieder wertvolle Hilfestellungen für Menschen in finanzieller Schieflage leisten. Veränderte Lebenssituationen bedingt durch Krankheit, schlechtere Einkommensverhältnisse, Arbeitslosigkeit und Überkonsum

waren Ursachen für die finanziellen Probleme der Betroffenen.

Im März 2016 startete unter dem Namen "Marktprüfung ambulante Pflegeverträge" ein gemeinsames Projekt der Verbraucherzentralen Berlin, Brandenburg und des Saarlandes. Fördergeber ist das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Ziele sind die Aufklärung über Verbraucherrechte im Markt der ambulanten Pflege, die Bereitstellung von Informationen über verschiedene Vertragsgestaltungen sowie die Marktbeobachtung. Seit Mai 2016 ist dazu eine Infohotline (0681- 99 99 99 91 oder 030 – 54 44 59 68) geschaltet. Die Verbraucherzentrale Saarland war für die Konzeption und Organisation der zentralen Fachtagung "Der Pflegevertrag – (k)ein Vertrag wie jeder andere?!" im September 2016 in Saarbrücken verantwortlich. Der Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz Heiko Maas unterstrich dort in seinem Grußwort die Bedeutung des Projektes.

Im Rahmen der Zusammenarbeiten mit dem saarländischen Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz wurde im Herbst 2016 unter den Saarländerinnen und Saarländern eine gemeinsame Umfrage zu "Lebensdauer von Elektrogeräten" gestartet. Hier wurde abgefragt, wie lange Elektrogeräte halten, warum sie ausgetauscht werden und wie die Saarländerinnen und Saarländer sich verhalten, wenn ein Gerät einen Defekt aufweist. Ziel dieser Umfrage war es unter anderem, Verbrauchern aufzuzeigen, dass der ständige Neukauf von Elektrogeräten nicht nur dem eigenen Geldbeutel, sondern auch massiv der Umwelt schadet.

Weitere Nachhaltigkeitsthemen wurden von der Verbraucherzentrale Saarland im Rahmen der Handykampagne der saarländischen Staatskanzlei aufgegriffen. So wurden in 8 Workshops über 200 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrer zum Thema "Dein Handy und der Krieg im Kongo" aufgeklärt. In diesem Vortrag geht es um den Abbau des konfliktträchtigen Bodenschatzes "Coltan", der u. a. in Smartphones verbaut wird.

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