Lebensmittelindustrie wählt unrealistische Portionsgrößen

Stand:

Portionsangaben auf Verpackungen sind häufig unrealistisch klein: Die meisten Menschen essen größere Portionen beispielsweise von Müsli oder Chips als vom Hersteller aufgedruckt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Durchschnitt essen unsere fast 1500 Befragten mehr als doppelt so viel Chips und Müsli als auf den Etiketten steht.
  • Nach unserer Auffassung rechnen die Hersteller ihre Produkte mit den Mini-Portionen "gesund": Zucker- und Fettgehalte machen so einen besseren Eindruck.
  • Bei solchen Produkten verwirren die Angaben statt zu informieren. Sie sollten nicht auf die Verpackungen.
Schale Chips

Schale Chips

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Portionsgrößen, die die Hersteller freiwillig auf Lebensmittelverpackungen drucken, stimmen häufig nicht mit den tatsächlichen Essgewohnheiten überein. Zu diesem Schluss kommen die Verbraucherzentralen in einer bundesweiten, interaktiven Befragung.

Demnach verzehrten die Teilnehmenden im Durchschnitt mehr als zweimal so viel Müsli oder Chips als auf den Etiketten als Portionsgröße deklariert.

Wir fordern daher von der Lebensmittelindustrie, sinnvolle Angaben auf die Verpackungen zu drucken. Wichtige Informationen wie Zucker- und Fettgehalte lassen sich dann auf einen Blick abschätzen. Bei einigen Produkten helfen die Angaben gar nicht und sollten ganz weg bleiben.

Portionsgrößen der Hersteller bestehen Realitätscheck nicht

1.490 Verbraucher hatten an der nicht repräsentativen Befragung teilgenommen. Dabei sollten sie die Portion Müsli und Chips abfüllen, die ihren üblichen Essgewohnheiten entspricht. Beim Müsli lag die Portionsgröße im Durchschnitt bei 81 Gramm, bei den Chips betrug sie 63 Gramm.

Damit waren die tatsächlichen Portionen mehr als doppelt so groß wie die Portion, die die Hersteller auf der Verpackung empfahlen. Beim Müsli waren 40, bei den Chips 30 Gramm angegeben.

Kleinere Portionen suggerieren geringere Zucker- und Fettgehalte

Zwischen Kennzeichnung und Wirklichkeit klafft damit eine große Lücke. Nach unserer Auffassung rechnen die Hersteller ihre Produkte mit den Mini-Portionen "gesund". Aus kleineren Portionsgrößen ergeben sich automatisch auch geringere Mengen etwa an Zucker oder Fett, die Verbraucher vermeintlich zu sich nehmen.

Ein Rechenbeispiel anhand der verwendeten Produkte aus der Umfrage verdeutlicht, dass die Befragten im Durchschnitt beim Müsli statt wie angegeben 14 rund 28 Gramm Zucker verzehren, bei den Chips sind es statt 9,9 sogar 20,8 Gramm Fett.

Einheitliche Portionsgrößen lassen sich nicht bestimmen

Nach den Ergebnissen der Umfrage ist unserer Ansicht nach die realistische Angabe von Portionsgrößen auf Verpackungen dieser Produkte gar nicht möglich: Die von den Verbrauchern eingefüllten Mengen variierten sehr stark. Die Werte lagen zwischen 11 und 302 Gramm beim Müsli und zwischen 3 und 250 Gramm bei den Chips. 250 Gramm Chips entsprechen schon der gesamten Packung.

Viele Befragte hatten zudem Schwierigkeiten, die Menge einer Portion überhaupt richtig einzuschätzen. Sie sollten aus vier Schalen mit unterschiedlicher Menge an Müsli oder Chips diejenige herausfinden, die der Portionsgröße auf dem Etikett entsprach. Nur 39 Prozent der Teilnehmer lagen beim Müsli richtig, bei den Chips waren es 50 Prozent.

Prominent auf der Schauseite der Verpackung angegebene Nährwerte pro Portion sind den meisten bekannt. Mehr als 86 Prozent der Befragten kannten diese Piktogramme, aber nur ein Bruchteil achtete darauf und orientierte sich daran.

Die Mehrheit wünschte sich verständlichere und nachvollziehbarere Angaben, wie beispielsweise eine Kennzeichnung, die sich auf 100 Gramm oder eine erkennbare Portion bezieht. Auch die Ampelkennzeichnung fand eine größere Zustimmung.

Wir fordern sinnvolle Portionsangaben auf Verpackungen

Wir fordern daher: Bei nicht eindeutig portionierbaren Lebensmitteln wie Chips oder Müsli sollen Hersteller auf Portionsangaben verzichten. Willkürlich gewählte Portionsgrößen verwirren statt zu informieren. Lediglich bei Verpackungen mit konkreten Portionen wie etwa einem Riegel, einer Scheibe oder einem Becher können die Informationen auf dem Etikett sinnvoll sein.

Den ausführlichen Untersuchungsbericht können Sie hier herunterladen.