Angaben auf Lebensmitteln: Oft mehr Schein als Sein

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Viele Angaben auf Lebensmitteln können bei Verbrauchern völlig falsche Erwartungen wecken, auch wenn sie rechtlich nicht zu beanstanden sind.

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Informationen zu Lebensmitteln dürfen nicht täuschen. Doch häufig gibt es Interpretationsspielraum. So suggeriert etwa ein Begriff wie "Hofkäse", dass es sich dabei um ein Lebensmittel handelt, das auf einem Bauernhof handwerklich hergestellt wurde. "Körnerbrote" kann man leicht für Vollkornbrote halten. Für viele Verbraucher wohl ebenso überraschend: In Wasabipaste steckt häufig normaler Meerrettich und nur ein Hauch Wasabi.

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Schwarze Oliven

Bei "schwarzen Oliven" handelt es sich nicht immer um natürlich gereifte Oliven, sondern häufig auch um schwarz gefärbte grüne Oliven. Bei loser Ware und in der Gastronomie müssen geschwärzte Oliven als "geschwärzt" kenntlich gemacht werden. Auf fertig verpackten Oliven darf dieser Hinweis jedoch fehlen. In der Zutatenliste ist dann lediglich ein zugesetzter Stabilisator – Eisen-II-Gluconat (E 579) oder Eisen-II-Lactat (E 585) – aufgeführt.

Herkunft von Eiern

Die Angaben auf der Verpackung können auf die falsche Spur führen. Auch wenn auf dem Eierkarton eine deutsche Packstelle angegeben ist, können die Eier zum Beispiel aus den Niederlanden stammen. Das ist zulässig, denn das Ursprungsland muss im Erzeugercode stehen – im Stempel auf dem Ei – nicht auf der Verpackung. Letztlich hilft nur der Blick auf das Ei, um sicher zu sein, woher es stammt.

Auf der Internetseite "Was steht auf dem Ei?" erfahren Sie durch Eingeben des Erzeugercodes Name und Adresse des Legebetriebes - allerdings nur für dort registrierte Betriebe.

Frühstückscerealien

Flakes, Pops, bunte Kugeln, "Frühstückskekse" – in der morgendlichen Hektik kommt das Angebot eines Frühstücks, das sich im Handumdrehen zubereiten lässt, vielen Menschen entgegen. Besonders Kinder werden von der Werbung für Frühstücksflocken und den Aufmachungen der Verpackungen angesprochen. Tatsächlich entpuppen sich diese Getreideerzeugnisse aber oft als Fett- und Zuckerbomben, die unnötig mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind. Portionsgrößen, an denen zum Beispiel der Energiegehalt berechnet wird, sind oft unrealistisch klein. Die Produkte werden dadurch "schlankgerechnet". Das angepriesene "gesunde Frühstück" bekommt man bestenfalls, wenn man den Flocken oder Keksen die Zutaten eines wirklich gesunden Frühstücks beigibt: frisches Obst und Milch oder Joghurt.

Imkerhonig

"Imkerhonig" erweckt oft durch regionale Adressen und Abbildungen den Anschein, dass er vom regionalen Erzeuger stammt. Tatsächlich kann es sich dabei aber auch nur um den Betrieb handeln, der den Honig abgefüllt hat – der Honig kann von Bienen in aller Welt stammen. Die obligatorische Angabe zum Herkunftsland wird oftmals wenig prominent im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung versteckt. Ganz im Vagen bleibt die Herkunft, wenn es sich um Honigmischungen aus unterschiedlichen Herkunftsländern handelt: Hier müssen sich Verbraucher beispielsweise mit der Angabe "aus EU-Ländern und/oder Nicht-EU-Ländern" begnügen.

Hofkäse

Begriffe wie "Hofkäse" erwecken den Eindruck, dass es sich dabei um ein Lebensmittel handelt, das auf einem Bauernhof handwerklich hergestellt wurde. Rechtlich sind Begriffe wie "Hof" oder „Bauer“ aber nicht geschützt. Es gibt durchaus landwirtschaftliche Betriebe, die ihre eigenen Lebensmittel in kleinem Stil herstellen und vor Ort verkaufen. Häufig prangen Abbildungen von „Bauernhöfen“ aber auch auf Verpackungen von Wurst und Käse, die aus industrieller Produktion stammen. Das Prädikat "Hof" sagt nichts darüber aus, wie ein Lebensmittel hergestellt wird und aus welcher Haltungsform die Tiere stammen.

Körnerbrot

"Körner" sind nicht dasselbe wir Vollkorn. Backwaren mit Bezeichnungen wie "Mehrkornbrötchen", "Vierkornbrot" und "Kornspitz" müssen nicht aus Vollkornmehl hergestellt sein. Hinter dem "Vollkorn-Look" verstecken sich häufig Brot und Brötchen aus hellen Mehlen, die mit Körnern dekoriert sind oder Ölsaaten wie Sonnenblumenkerne und Sesam im Teig enthalten. Nur wo ausdrücklich "Vollkorn" draufsteht, muss auch Vollkornmehl oder Vollkornschrot verarbeitet sein – und zwar zu mindestens 90 Prozent.

Smoothies

Bei den Namen "Mango-Maracuja" oder "Himbeer-Brombeer" auf Smoothies entsteht der Eindruck, dass der Inhalt der kleinen Fläschchen hauptsächlich aus diesen Obstarten besteht. Das ist aber häufig nicht der Fall. Nur die Zutatenliste auf der Rückseite entlarvt die Zusammensetzung. So sind Mango-Maracuja-Smoothies auf dem Markt, die gerade einmal 20 Prozent Mango und Maracuja enthalten und stattdessen hauptsächlich aus Apfel bestehen. Auch bei Beeren-Smoothies kommen die beworbenen Früchte oft zu kurz. Zum Teil werden solche Produkte auch vor Gericht als "irreführend" beurteilt.

Unbehandelte Zitrusfrüchte

Bei Zitronen bzw. Zitrusfrüchte findet man häufig den Hinweis "unbehandelt". Man könnte meinen, dass es sich dabei um ökologisch erzeugte Ware handelt. Doch diese Angabe besagt nur, dass die Früchte nach der Ernte nicht konserviert oder gewachst wurden. Sie sagt nichts darüber aus, ob die Früchte während des Wachstums mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden.

Wenn die Oberfläche der Zitrusfrüchte nach der Ernte mit Wachsen oder mit Konservierungsmitteln gegen Verderb und Austrocknen behandelt wurden, muss dies gekennzeichnet werden mit den Hinweisen "gewachst", "mit Konservierungsstoff" oder "konserviert". Die Schale von gewachsten und konservierten Früchten ist nicht zum Verzehr geeignet.

Lebensmittel „ohne Zuckerzusatz“

Viele Menschen achten in ihrer Ernährung darauf, möglichst wenig Zucker zu essen. Lebensmittel „ohne Zuckerzusatz“ scheinen zu diesem Ernährungsziel zu passen. Laut Rechtsvorschrift dürfen sie keinen Zusatz an Zucker oder zum Süßen dienenden Zutaten wie Honig oder Agavendicksaft enthalten. Das heißt allerdings vielfach trotzdem nicht, dass die Lebensmittel zuckerarm sind. Durch Zutaten wie getrocknete Früchte, Fruchtsaftkonzentrate oder Magermilchpulver können sie erhebliche Mengen Zucker enthalten. Ein Blick in die Nährwertkennzeichnung ist empfehlenswert, denn dort werden unter „Zucker“ alle Einfach- und Zweifachzucker (Mono- und Disaccharide) zusammengefasst, unabhängig davon, ob sie zum Süßen zugesetzt oder in Zutaten enthalten sind.

Wasabipaste

Wasabipasten zeichnen sich durch die grüne Farbe und einen scharfen Geschmack aus. Der japanische Meerrettich Wasabi ist allerdings in der Regel kaum enthalten. Wasabi ähnelt im Geschmack dem europäischen Meerrettich und ist auch mit ihm verwandt. Es handelt sich jedoch um zwei verschiedene Pflanzenarten. Da sich Wasabi schwer kultivieren lässt, ist er teuer. Hersteller von Wasabipaste verwenden ihn deshalb meist nur in sehr geringen Mengen und ersetzen ihn zu Großteil durch europäischen Meerrettich. Mit Hilfe von Farbstoffen oder färbenden Lebensmitteln wie Spirulina erhält die Wasabipaste dann das typische Grün der Wasabiwurzel. Der Wasabi-Anteil sollte in der Bezeichnung oder der Zutatenliste stehen. Ist er dort nicht angegeben, wurde er „in geringer Menge zur Geschmacksgebung verwendet“, der Anteil liegt dann meist unter zwei bis drei Prozent.