Spielsand und Bastelsand: Ist Asbest enthalten?

Stand:
Nachdem in Neuseeland, Australien, Belgien und den Niederlanden in Proben verschiedener Spielesets Asbest nachgewiesen wurde, reagierten unsere Nachbarländer bereits mit Verkaufsverboten und Warnungen. Mittlerweile liegen erste Untersuchungen vor. Eine Reihe von Produkten wurde auch bereits zurückgerufen.
Kinderhände spielen mit buntem Sand

Das Wichtigste in Kürze:

  • In gefärbtem Sandspielprodukten (Indoor-Spielsand, Deko- und Bastelsand, Montessori-Sandspieltischen) aus China wurde in Australien und Neuseeland, aber auch in den Niederlanden und Belgien in zahlreichen Produkten Asbest nachgewiesen.
  • Im Weiteren erfolgten weitere Untersuchungen sowohl der niederländischen als auch belgischen Behörden, bei denen aber nur vereinzelt Asbest nachgewiesen wurde. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigte in 6 von 18 getesteten Produkten Asbest.
  • Es gab bereits eine Reihe von Produktrückrufen aufgrund zu hohen Asbestgehalts.
  • Die Verbraucherzentrale NRW rät im Zweifel vorsorglich davon ab, solche Sandspiel-Produkte für den Innenbereich zu verwenden.
  • Wenn Asbest belastete Sandspielprodukte schon geöffnet und in Innenräumen verwendet wurden, sollten Reinigungsmaßnahmen ergriffen werden, bei denen kein Staub aufgewirbelt und eingeatmet wird.
  • Normaler Spielsand für Sandkästen im Freien ist nicht betroffen.
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Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät vorsorglich davon ab, Kindern bunten Bastelsand oder auch Montessori-Sandspieltische, die in China hergestellt wurden, zum Spielen zu geben. Denn erst nach und nach wird klar, welche Produkte von einer Asbestbelastung betroffen sind. Auch Erwachsene, die bunten Sand zu Dekozwecken oder für künstlerische Tätigkeiten verwenden, sollten diesen vorsorglich erstmal nicht weiter nutzen und die untenstehenden Hinweise zum Einpacken des Sandes berücksichtigen.

Chronologie der Ereignisse: In welchen Produkten wurde Asbest nachgewiesen?

Die niederländische Zeitung Het Algemeen Dagblad hatte Sandtische, die als sogenannte Montessori Produkte beworben wurden, sowie Sets aus buntem Bastelsand auf Asbest untersuchen lassen. In sechs von zwölf untersuchten Produkten wurde Asbest nachgewiesen. Dabei handelte es sich um Tremolit-Asbest, der krebserzeugend wirkt, wenn er eingeatmet wird. Es wurden Asbestgehalte bis zu fünf Prozent bestimmt. Die betroffenen Artikel waren unter anderem bei Top1Toys, Bol.com, Amazon, AliExpress sowie beim Großhändler Koppen Speelgoed erhältlich.

Bei diesen und anderen, später erfolgten Funden scheint es sich zu einem großen Teil um Produkte aus China zu handeln. Die Ursache für die Belastung mit Asbest liegt wahrscheinlich darin, dass der gefärbte Sand aus Gruben stammt, in denen Asbest natürlich vorkommen kann. Es ist nicht vorhersagbar, welche Produkte betroffen sind und welche nicht, da die Asbestbelastung sich von Charge zu Charge unterscheiden kann.

In Australien und Neuseeland hatten die Behörden bereits Ende 2025 vor buntem Indoor-, Bastel-, Spiel- bzw. Dekosand gewarnt. Betroffen waren dort unter anderem Produkte der Marken "Educational Colours" und "Kadink".

  • 24. Februar 2026: Das Belgische Wirtschaftsministerium veröffentlichte eine aktualisierte Liste von asbesthaltigen Spielsandprodukten, darunter befanden sich Produkte von Hobbycraft und unterschiedliche Marken, die über Amazon verkauft wurden. Wenn das Spielsandprodukt dort nicht gelistet ist, ist unklar, ob es asbestfrei ist oder nicht. Im Zweifelsfall fragen Sie direkt beim Hersteller nach.
  • 02. März 2026: Das belgische Wirtschaftsministerium ließ 15 Spielsandprodukte aus dem stationären Handel und fünf aus dem Online-Handel auf Asbest untersuchen. 14 Proben waren asbestfrei und sechs enthielten sehr geringe Spuren von Asbest, die weit unter dem Grenzwert von 0,1 Massenprozent lagen. 

    Der Hersteller "Spinmaster®" hat eine Erklärung zur Asbestfreiheit von "Kinetic-Sand™-Produkten" veröffentlicht. Die Stiftung Warentest bestätigt, dass die untersuchte Probe von  Spinmaster „Kinetic Sand neon pink“ asbestfrei ist.

Einige Hersteller und Händler haben bereits Produkte zurückgerufen. Sie sind zum Beispiel auf lebensmittelwarnung.de zu sehen. Die direkten Links zu den Rückrufen der Hersteller/Händler: "Creafun Zand Schilderen Boerderij", "Moxy Sand Painting", diverse Produkte von Hobbycaft, "PUFFERZ Pufferfigur Sand" (Toi-Toys), "Stretch Squad dehnbare Figuren" (Action), "Stretcherz 4er Pack Electro Squad" (Aldi Süd), "Stretcherz"-Spielzeuge (SmythsToys), "Stretcherz Slammerz" (Woolworth), "Stretcherz Stretch Squad Dinos" (Woolworth), "Stretcherz Street Smash Car" (Woolworth), "Van Manen Stretch Gorilla und Raubtier-Figuren" (Woolworth), "Stretch Squad" (TK Maxx), Spiel- und Bastelsets von Hema sowie "Sandkunst in einer Flasche, die im Dunkeln leuchtet" von Jono Toys.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bietet eine regelmäßig aktualisierte Datenbank mit Rückrufen gefährlicher Produkte.

  • 05. März 2026: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) äußerte sich zu Asbest in Spielsand. Es hielt weitere Daten für die Risikobewertung für erforderlich. Das BfR ist in Deutschland für die gesundheitliche Risikobewertung von Spielzeug zuständig. "Sobald belastbare Informationen durch die Überwachungsbehörden der Länder zur möglichen Verunreinigung von Spiel- und Bastelsand mit Asbest vorliegen, wird das BfR die gesundheitlichen Risiken einschätzen. Der gesetzliche Auftrag des BfR umfasst allerdings nicht die Bewertungen einzelner Produkte oder Marken", hieß es in der Mitteilung.
  • 11. März 2026: Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münster-Emscher-Lippe (CVUA MEL) ließ 15 Spielsandproben („Magic Sand“, Sandtische, mit Sand gefüllte Figuren) aus dem stationären Handel in NRW untersuchen. Sie konnten in keinem der Produkte Asbestfasern nachweisen (Nachweisgrenze: 0,008 %). Das CVUA hat angekündigt, noch weitere Produktarten und Produkte aus dem Onlinehandel zu untersuchen.
  • 12. März 26: Der niederländischen Behörde liegen jetzt die Untersuchungsergebnisse für 99 Spielsandprodukte vor. In 65 davon wurde kein Asbest festgestellt. In 29 Produkten wurde eine sehr geringe Menge gefunden, die zwischen 0,000005 und 0,01 % lag, also unter dem gesetzlichen Grenzwert von 0,1 %. In 5 Produkten wurde mehr Asbest über dem gesetzliche Grenzwert festgestellt. Es handelt sich um Mengen von 0,15 bis 0,42 %. Die Behörde hat den betroffenen Unternehmen mitgeteilt, dass diese 5 Produkte nicht mehr verkauft werden dürfen. Außerdem hat die NVWA die Unternehmen dazu aufgefordert, eine öffentliche Warnung herauszugeben. Derzeit werden noch etwa 10 Produkte untersucht. Niederländische Behörden untersuchen derzeit, ob das Spielen mit asbesthaltigem Sand ein Gesundheitsrisiko darstellt, auch wenn es sich um geringe Mengen Asbest handelt, die unter dem gesetzlichen Grenzwert liegen. Bis das Gesundheitsrisiko geklärt ist, empfiehlt die Behörde weiterhin, keinen Spielsand in Innenräumen zu verwenden. NVWA hat angekündigt, eine  Übersicht aller untersuchten Spielsandprodukte zu veröffentlichen, einschließlich der entsprechenden Laborergebnisse und der Angabe, ob das Produkt ein Gesundheitsrisiko darstellt.
  • 23. März 26: Die Stiftung Warentest hat 18 Produkte im Labor untersuchen lassen und fand in 6 davon Asbest: "Hoch­wertiger dunkelblauer Dekosand" von Heku, "Deco Farbsand pink" von Eurosand, Deko-Sand von idee Creativmarkt, "SabLimage Sand­bilder Mini Tiere" von Sentosphère, "Pei You Toy Sand Painting Model" sowie "Phänomint Magischer Space Sand pink" von Moses.

Was soll ich mit bereits gekauftem Sand tun?

  • Solange keine Untersuchungen vorliegen, die Entwarnung geben, sollten vorsorglich 
    weder Erwachsene noch Kinder mit dem Sand spielen, dekorieren oder basteln.
  • Sie sollten unbedingt vermeiden Stäube des Sandes einzuatmen.
  • Geschlossene Verpackungen sollten vorsorglich nicht geöffnet werden.
  • Wenn der Sand bereits entnommen wurde, ziehen Sie eine dicht sitzende FFP2-Maske, Putzhandschuhe und eine Schutzbrille an, machen Sie den Sand z.B. mit einer Blumenspritze (gefüllt mit Wasser und einem Tropfen Spülmittel) vorsichtig so nass, dass er nicht mehr stauben kann, wischen Sie den Sand anschließend mit nassen Lappen auf. Glatte Flächen lassen sich feucht abwischen. Geben Sie alles (auch Handschuhe und FFP2-Maske) in reißfeste Plastikbeutel und verschließen Sie diese luftdicht, ohne die Luft  herauszudrücken. Sie können auch Behältnisse wie Dosen oder Eimer mit dicht schließenden Deckeln verwenden.
  • Saugen Sie den Sand nicht mit einem Haushaltsstaubsauger auf. Wenn Teppiche oder Polster verunreinigt sind, von denen sich der Staub nicht feucht abwischen lässt, sollte ein Spezialsauger der Klasse H verwendet werden.
  • Wenn sich herausstellt, dass das Produkt asbesthaltig ist, muss es als asbesthaltiger Abfall entsorgt werden. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Abfallentsorger, wo asbesthaltige Abfälle abzugeben sind. Aber gerade hier gilt, dass man die Untersuchungsergebnisse abwarten sollte, bevor man voreilige - und womöglich aufwändige oder teure - Entsorgungsmaßnahmen trifft.
  • Bei der Verwendung von asbesthaltigen Spielsand in Innenräumen können je nach Höhe der Produktbelastung und Menge der verbreiteten Stäube möglicherweise professionelle Reinigungsmaßnahmen notwendig sein.
  • Achten Sie in den kommenden Wochen auf weitere Hinweise zum Umgang mit den Produkten auf unseren Internetseiten oder über Informationskanäle von Behörden.
  • Grund zu Panik besteht aber nicht, da Asbest vor allem ein Gesundheitsrisiko bei längerer Exposition und/oder hohen Faserkonzentrationen darstellt. Die meisten an Asbestose Erkrankten waren jahrelang beruflich hohen Faserkonzentrationen ausgesetzt.