Wieso kommen unsichere Produkte in Online-Shops und auf Online-Marktplätze?
Hersteller und Händler sind für die Produktsicherheit verantwortlich. Eine unabhängige Prüfung vor dem Verkauf findet meist nicht statt.
Wer haftet für Schäden, die unsichere Produkte verursachen?
Das europäische Produktsicherheitsrecht setzt darauf, dass Importeure und Händler in der EU haften. Gibt es jedoch keinen Händler oder Hersteller mit Sitz innerhalb der EU oder übernehmen Importeure und Händler keine Verantwortung, sind Verbraucher:innen im Schadensfall schutzlos. Denn sie können dann ihre Schadensersatzansprüche nicht durchsetzen. Marktüberwachungsbehörden können dann nur noch veranlassen, dass ein unsicheres Produkt nicht mehr verkauft wird. Und auch das EU-Warnsystem „Safety Gate“ greift erst, wenn ein Produkt als gefährlich erkannt und gemeldet wurde.
Warum fallen vor allem Billigprodukte im Online-Handel durch mangelnde Produktqualität auf?
Einige Geschäftsmodelle setzen bewusst auf
- außergewöhnlich niedrige Preise,
- sehr kurze Entwicklungszyklen,
- tausende neue Produkte täglich.
Vorherige Prüfungen der Produktsicherheit sind langwierig und kostenintensiv. Daher werden Produkte bei diesen extrem schnelllebigen Geschäftsmodellen oft nicht präventiv geprüft. Die Händler oder Hersteller reagieren allenfalls, wenn Probleme auftreten. Die Unsicherheit eines Produktes wird zum einkalkulierten Risiko. Produktrückrufe und Erstattungen sind einkalkuliert – auf Kosten der Sicherheit der Kaufenden.
Welche Probleme gehen mit Billigprodukten einher – auch, wenn sie sicher sind?
Weitere Probleme von Billigprodukten sind:
- Erschwerte Durchsetzbarkeit von Verbraucherrechten: Widerrufs- und Gewährleistungsrechte und Rückerstattung sind bei außereuropäischen Anbietern oft kaum durchsetzbar.
- Kurze Lebensdauer: Billigprodukte sind oft so minderwertig, dass sie schnell kaputtgehen oder unbrauchbar sind.
- Die Produktionsbedingungen genügen meist nicht europäischen Standards – weder in Bezug auf faire Bezahlung, Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz noch in Bezug auf Umweltschutz.
- Umweltbelastung: Lange Transportwege und insbesondere Luftfracht verursachen hohe Emissionen. Für die tatsächliche Klimabelastung ist nicht die reine Transportdistanz entscheidend, sondern der Vergleich der eingesetzten Transportmittel (Luft-, See- sowie Straßen-/Schienentransport) sowie Faktoren wie Retouren-Häufigkeit, Verpackungseffizienz und die lokale Logistik.
Worauf sollten Verbraucher:innen bei der Wahl eines Online-Shops oder Online-Marktplatzes achten?
Es ist für Verbraucher:innen kaum möglich zu erkennen, ob Anbieter effektiv Verantwortung für die Produktsicherheit übernehmen. Besonders kritisch sind jedoch Anbieter, die
- keinen Sitz oder Ansprechpartner in der EU haben,
- ihre Produkte direkt aus Drittstaaten an die Verbraucher:innen senden
- und ggf. über Marktplätze verkaufen, die ebenfalls keine effektive Verantwortung übernehmen.
Verbraucher:innen sollten daher vor jedem Kauf bestimmte Punkte prüfen:
- Vertragspartner
- Der Vertragspartner muss eine ladungsfähige Adresse angeben – also eine physische Anschrift in Deutschland oder der EU (kein Postfach oder Kontaktformular) sowie Kontaktdaten (Telefon, E-Mail).
- Prüfen Sie auf dem Registerportal, ob das Unternehmen tatsächlich unter der angegebenen Handelsregisternummer registriert ist.
Achtung: manchmal nutzen die Betrüger auch einfach die Daten anderer Personen oder Firmen, um mit einem vermeintlich vollständigen Impressum Seriosität vorzugaukeln.
- Angaben zu einem EU-Bevollmächtigten
- Falls der Hersteller nicht in der Union niedergelassen ist, müssen Angaben zu einem EU-Bevollmächtigten vorliegen. Sind die Angaben unvollständig, nicht nachvollziehbar oder fehlen komplett, ist ein Kauf nicht empfehlenswert.
- Widerrufsbelehrung und Rücksendeadresse
- Sind die Angaben zum Widerruf und Rücksendung unklar, widersprüchlich oder nicht auffindbar: Besser nicht kaufen – hohes Risiko.
- Herkunftsland der Ware (oder Versandort)
- Diese Angaben findet man bei dem jeweiligen Produkt unter Stichworten wie „Versand aus …“ oder „Lieferung durch …“.
- Manchmal sieht man erst im Checkout, aus welchem Lager das Produkt tatsächlich kommt (EU-Lager oder Ausland).
- Seriöse EU-Händler mit eigenem Lager liefern in der Regel innerhalb weniger Werktage.
- Wird eine Lieferzeit von 10 bis 20 Tagen angegeben oder fallen zusätzliche Kosten für Zollgebühren an, sind das sehr starke Hinweise auf eine Einfuhr aus Drittstaaten.
Worauf können Verbraucher:innen bei der Produktauswahl achten?
- Preisspanne: Der Preis ist kein eindeutiger Hinweis auf die Qualität eines Produkts: Günstige Dinge können gut sein. Teure Produkte können aber auch billig produziert sein. Doch bei extrem günstigen Preisen gehören Mängel bei der Produktsicherheit vielfach zum Geschäftsmodell.
- Kundenbewertungen – positive wie negative - geben Hinweise zu den Produkten. Hier gilt: Besonders auf negative Bewertungen anderer Käufer achten.
- Bezahlmethode: Empfehlenswert ist immer die Bezahlung auf Rechnung. Zahlungen per Vorkasse sind riskant. Wenn andere Zahlungsmethoden (zum Beispiel Kreditkarte, PayPal) zwar beworben werden, aber im Bezahlvorgang nicht funktionieren, ist ebenfalls Vorsicht geboten.
- Güte- und Prüfsiegel, Produkttests: Viele Produkte sind mit Güte- oder Prüfsiegeln versehen. Nicht alle sind aussagekräftig. Unabhängige Prüfsiegel wie das GS-Zeichen oder TÜV-/VDE- Zertifikate – bestätigen zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Produkte von in der EU registrierten Herstellern unterliegen strengen Kontrollen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass CE-Zertifikate wirklich geprüft sind – nicht nur selbst deklariert. Unabhängige Bewertungen wie die der Stiftung Warentest geben die Gewissheit, dass die Produkte in Deutschland getestet wurden.
- Produktbeschreibung: Wenn die Sicherheitshinweise fehlen, unklar formuliert oder nicht in der Landessprache (zum Beispiel Deutsch für den deutschen Markt) vorliegen, sollte das Misstrauen wecken. Denn das kann ein Anzeichen für ein unsicheres oder nicht konformes Produkt sein. Sicherheitshinweise finden sich zum Beispiel unter dem Begriff „Produktbeschreibung“.
- Qualitätsmerkmale: Überall da, wo von minderwertigen Produkten besondere Gefahren ausgehen können, sollte beim Einkauf besonders auf Qualität geachtet werden.
- Produktwarnungen: Sind Produkte auf Portalen wie BAuA, Safety Gate gelistet, gilt unbedingt: Nicht kaufen!
Was ist das Safety-Gate-Portal der EU?
Die EU hat außerdem das sogenannte Safety-Gate-Portal eingerichtet. Hier können Verbraucher:innen alle Produkte – außer Lebensmittel und Arzneien – melden, die sie EU-Binnenmarkt gekauft haben und die möglicherweise gefährlich sind, zum Beispiel weil sie trotz korrekter Verwendung Unfälle oder Verletzungen verursacht haben. Unfallmeldungen werden aus dem Portal an die zuständigen Behörden übermittelt.
Was ist die BAuA?
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlicht in ihrer Datenbank "Gefährliche Produkte" unter anderem ihr bekannt gewordene Produktrückrufe und Produktwarnungen.
Sind „deutsche“ oder „europäische“ Shops sicher?
Manche Shops täuschen mit einer .de-Domain und Nennung eines europäischen Anbieters im Impressum vor, ein „deutscher“ bzw. „europäischer“ Online-Shop zu sein. Tatsächlich wird aber die Ware aus dem außereuropäischen Ausland direkt an die Käufer verschickt. Die günstigen Preise werden oft mit angeblichen Geschäftsaufgaben erklärt.
Tipp: Wenn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht, dass die Ware im Falle des Widerrufs oder bei Reklamationen in ein Land außerhalb der EU verschickt werden soll, spricht viel dafür, dass die Ware auch aus dem außereuropäischen Ausland kommt.
Viele Markenprodukte kommen aus dem außereuropäischen Ausland – wo sind die Unterschiede?
Das europäische Produktsicherheitsrecht setzt darauf, dass Importeure und Händler in der EU für die Produktkonformität Verantwortung übernehmen. Fehlt ein Importeuer oder Händler in der EU, weil Produkte direkt beim außereuropäischen Hersteller bestellt und von dort geliefert werden, kommt Online-Marktplätzen eine Schlüsselrolle zu:
- Manche Online-Marktplätze lassen nur solche Anbieter zu, die einen Firmensitz in der EU, eine deutsche Umsatzsteuer-ID sowie die Fähigkeit, Rücksendungen zuverlässig abzuwickeln, nachweisen. Hier ist das Risiko für unsichere Produkte gering.
- Andere Online-Marktplätze lassen zwar außereuropäische Anbieter zu, versuchen aber selbst für die Einhaltung von EU-Standards zu sorgen. Sie prüfen zum Beispiel stichprobenartig die Produktsicherheit und sperren auffällige Anbieter. Hier besteht ein gewisses Risiko für unsichere Produkte bei Sitz des Händlers im Ausland und Direktversand der Produkte in die EU.
- Gerade die Online-Marktplätze, bei denen es extrem günstige Produkte gibt, ergreifen von sich aus nur selten Maßnahmen, um Produktsicherheit zu gewährleisten. Hier ist das Risiko für unsichere Produkte besonders hoch.
FAQ – häufige Fragen zur Produktsicherheit beim Online-Shopping