Private Rentenversicherung: Zur Altersvorsorge nicht die erste Wahl

Stand:
Die Verbraucherzentralen erklären, warum Versicherungsprodukte für den Vermögensaufbau zur Altersvorsorge meist ungeeignet sind – und welche Kosten, Risiken und Fallstricke Verbraucher:innen kennen sollten.
Altersvorsorge Rente

Das Wichtigste in Kürze:

  • Private Rentenversicherungen und ähnliche Policen sind wegen hoher Kosten meist keine gute Wahl für den Vermögensaufbau.
  • Oft geht die Hälfte der Erträge durch Abschluss-, Vertriebs- und laufende Kosten verloren.
  • Garantien klingen sicher, reduzieren aber die Renditen, sodass nach Kosten oft sogar negative Renditen möglich sind.
  • Es gibt einfachere, günstigere und deutlich rentablere Alternativen für die Altersvorsorge.
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Was ist eine private Rentenversicherung? 

Eine private Rentenversicherung soll Ihre Altersvorsorge ergänzen und Ihnen ab einem vereinbarten Zeitpunkt eine lebenslange monatliche Rente bezahlen. Dafür leisten Sie über viele Jahre Beiträge ein oder tätigen eine einmalige Einzahlung. 

Das angesparte Geld wird vom Versicherer angelegt und bildet die Grundlage für Ihre spätere Rente. Bei vielen Verträgen können Sie wählen, ob Sie anstelle einer monatlichen Rente oder eine einmalige Kapitalauszahlung erhalten möchten. 

Es gibt verschiedene Varianten des Vermögensaufbaus mit einer Versicherung:

  • private Rentenversicherungen mit Garantieleistungen: das Kapital wird überwiegend in sicherheitsorientierte Zinspapiere investiert, mit eher geringen Renditeaussichten. Die Rente besteht meist aus einem garantierten Teil und möglichen Überschüssen.
  • fondsgebundene Rentenversicherungen: das Kapital wird teilweise oder vollständig in Investmentfonds investiert. Garantien gibt es hier keine. Die Höhe der Rente ist ungewiss.
  • Indexpolicen: die Anlagestrategie kann bei dieser Rentenversicherung sehr komplex sein, meist wird ein bestimmter vom Versicherer berechneter Index nachgebildet. Mit preiswerten ETFs hat diese Police aber nichts gemeinsam.
  • Kapital-Lebensversicherungen: bei dieser Variante schließen Sie neben einem lang laufenden Sparvertrag immer auch eine Risikolebensversicherung ab. Eine Rente gibt es hier nicht, sondern eine einmalige Kapitalleistung bei Fälligkeit.

Warum sind private Rentenversicherungen für die Altersvorsorge meist ungeeignet?

Rentenversicherungen und auch andere Versicherungen sind zum Vermögensaufbau für die Altersvorsorge meist ungeeignet, weil hohe Abschluss-, Vertriebs- und laufende Kosten die Rendite stark drücken und damit den Vermögensaufbau bremsen. 

Die Kosten fallen vor allem in den ersten Jahren ins Gewicht und schmälern die Erträge. Zwischen Anbietern gibt es zwar Unterschiede. Verträge, für deren Vermittlung Provisionen gezahlt werden, sind aber generell teuer und nicht empfehlenswert.

Sogenannte Nettotarife sind auf den ersten Blick günstiger, weil sie keine Kosten für Provisionen enthalten. Allerdings werden sie meist nur über Honorarberater vermittelt. Deren Honorar ist oft kaum niedriger als die sonst üblichen Provisionen. Auch diese Tarife sollte man daher mit Vorsicht betrachten.

Tipp: Sie wollen Risikoschutz? Besser separat abschließen!
Häufig werden Versicherungen außerdem mit Risikoschutz, zum Beispiel bei Berufsunfähigkeit oder Tod, kombiniert. Diese Zusatzleistungen kosten Geld und lassen sich nicht flexibel anpassen, wenn sich Ihr Bedarf ändert. 

Günstiger und sinnvoller ist es, diese Risiken separat und passend zu Ihrem Bedarf abzusichern, zum Beispiel mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung und einer Risikolebensversicherung. Einen Preis- und Leistungsvergleich erhalten Sie zum Beispiel bei der Stiftung Warentest

Außerdem kalkulieren Versicherer die Renten sehr vorsichtig. Häufig muss man weit über 94 Jahre alt werden, bis das angesparte Kapital wieder ausgezahlt wird.

Hinweis: Die genannten Nachteile gelten auch für Versicherungen, die Ihnen im Rahmen

angeboten werden. Allerdings kommt es hier auf viele weitere Umstände und die Höhe der Förderung an.

Wie teuer ist meine private Rentenversicherung? 

Informationen zu den Kosten finden Sie

  • im Versicherungsantrag,
  • im Produktinformationsblatt und
  • teilweise in den jährlichen Standmitteilungen. 

Gesetzlich vorgeschrieben ist die Angabe der Effektivkosten (auch "Reduction in Yield") im Produktinformationsblatt. Diese Zahl zeigt, um wie viel Prozentpunkte pro Jahr die Kosten Ihre Rendite mindern.

Wie stark schmälern Kosten die Rendite? 

Die Wirkung der Kosten wird oft unterschätzt. Selbst kleine Prozentpunkte machen einen enormen Unterschied. Ein großer Teil der Erträge landet nicht bei Ihnen, sondern beim Versicherer oder bei den Vermittlern. 

Die folgende Tabelle zeigt, wie stark Effektivkosten die Erträge bei 100 Euro Sparrate pro Monat über 40 Jahre reduzieren. 

Beispiel: Bei einer Rendite von 1 Prozent pro Jahr fressen die Effektivkosten von 1 Prozent pro Jahr die gesamten Erträge vollständig auf. Bei einer Rendite von 5 Prozent reduzieren Effektivkosten von 2 Prozent, was ein branchenüblicher Satz für fondsgebundene Rentenversicherungen ist, die Erträge um 56 Prozent, also rund um die Hälfte.

 Effektivkosten 1 Prozent pro JahrEffektivkosten 2 Prozent pro JahrEffektivkosten 3 Prozent pro Jahr
Rendite vor Kosten 1 Prozent pro Jahr100 Prozent   
Rendite vor Kosten 2 Prozent pro Jahr57 Prozent100 Prozent 
Rendite vor Kosten 3 Prozent pro Jahr43 Prozent75 Prozent100 Prozent
Rendite vor Kosten 4 Prozent pro Jahr36 Prozent63 Prozent84 Prozent
Rendite vor Kosten 5 Prozent pro Jahr32 Prozent56 Prozent75 Prozent

Wie wichtig es deshalb ist, dass Sie sich genau über die Kosten Ihrer Versicherungen informieren, lesen Sie im Artikel Vermeiden Sie unnötig hohe Kosten bei Finanzprodukten.

Welche Haken gibt es bei den Garantieleistungen?

Bei klassischen Renten- und Lebensversicherungen werden garantierte Leistungen versprochen. Maßgeblich für die Berechnung ist der sogenannte Höchstrechnungszins (Garantiezins). Dabei gilt:

  • Der Garantiezins wird nur auf den Teil Ihrer Beiträge gewährt, der nach Abzug von Kosten und Risikovorsorge übrigbleibt.
  • Nicht jeder Versicherer rechnet mit demselben Zinssatz, selbst im gleichen Abschlussjahr.
  • Die tatsächliche Rendite der bezahlten Beiträge wird nirgends ausgewiesen und ist wegen der Kosten in den ersten Jahren negativ.
  • In einer schweren Krise des Versicherers können sogar garantierte Leistungen gekürzt werden.
  • Der Garantiezins ist außerdem bei der Berechnung der Rentenfaktoren relevant und betrifft dadurch auch fondsgebundene Rentenversicherungen. Der Rentenfaktor besagt, wieviel Rente Ihnen pro 10.000 Euro Vorsorgekapital monatlich ausgezahlt wird. Auch vertraglich garantierte Rentenfaktoren können unter Umständen gesenkt werden.

Der Garantiezins Ihres Vertrages darf nicht höher sein als der zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses geltende, gesetzlich vorgegebene Höchstrechnungszins. Er kann dem Höchstrechnungszins entsprechen oder niedriger sein. Welcher Garantiezins damit zulässig war, als Sie Ihren Vertrag abgeschlossen haben, können Sie folgender Tabelle entnehmen:
 

 Höchstrechnungszins
1942 bis 06/19863,00 Prozent
07/1986 bis 06/19943,50 Prozent
07/1994 bis 06/20004,00 Prozent
07/2000 bis 12/20033,25 Prozent
01/2004 bis 12/20062,75 Prozent
01/2007 bis 12/20112,25 Prozent
01/2012 bis 12/20141,75 Prozent
01/2015 bis 12/20161,25 Prozent
01/2017 bis 1/20210,90 Prozent
01/2022 bis 12/20240,25 Prozent
Ab 01/20251,00 Prozent

Bieten private Rentenversicherungen einen Steuervorteil?

Nein, ungeförderte private Rentenversicherungen bieten meist keinen Steuervorteil. Dennoch werden sie wegen eines angeblichen Steuervorteils bezüglich der Kapitalerträge verkauft. 

  • Ausnahme Altverträge: Verträge bis 31. Dezember 2004 konnten unter Umständen steuerfrei sein. Damals gab es noch Steuervorteile, danach aber nicht mehr.
  • Seit 2005 unterliegen Erträge grundsätzlich der Abgeltungssteuer, also 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, mit vielen Sonderregeln.
  • Bei Auszahlung in einer Summe können besondere Bedingungen gelten.
  • Lebenslange Renten werden mit dem sogenannten Ertragsanteil besteuert.

In der Praxis ist der Steuervorteil oft gering oder gar nicht vorhanden. Das hat die Stiftung Warentest Finanzen nachgerechnet. Wenn Sie unsicher sind und ein Angebot prüfen lassen wollen, helfen Ihnen die Expert:innen in den Verbraucherzentralen gerne weiter.

Wie Ihr Vertrag nach geltendem Recht zu versteuern ist, kann Ihnen auf Anfrage Ihr Vertragspartner mitteilen. Oft finden Sie auch in den Vertragsunterlagen einen Absatz zur Versteuerung. 

Die Verbraucherzentralen dürfen eine Steuerberatung nicht anbieten. Sie können sich beim Thema Steuern entweder selbst kundig machen, etwa indem Sie zum Thema Steuern in der Rente unseren Ratgeber lesen oder sich bei der Stiftung Warentest informieren. Alternativ können Sie sich aber auch an einen qualifizierten Steuerberater wenden.

Was tun, wenn Sie bereits eine private Rentenversicherung haben?

Die Verbraucherzentralen können nicht pauschal zu einer Kündigung oder einer Beitragsfreistellung raten. Was die beste Option ist, hängt vom Vertrag und Ihrem individuellen Bedarf ab. Prüfen Sie Ihre Optionen:

  • Nutzen Sie geeignete Rechner, um Ihre Rendite zu ermitteln. Dies funktioniert aber nur bei klassischen Policen mit Garantien.
  • Wenn Sie Schulden haben: Vergleichen Sie die Rendite Ihres Vertrags mit dem Darlehenszins. Manchmal ist die Entschuldung sinnvoller.
  • Prüfen Sie, ob Sie von monatlicher auf jährliche Zahlung umstellen können. Das spart Kosten.
  • Bei Fondspolicen: Tauschen Sie teure Fonds gegen günstigere ETFs.
  • Prüfen Sie, ob Sie Zusatzversicherungen, zum Beispiel Unfalltod oder Berufsunfähigkeit, wirklich brauchen und kündigen Sie diese, wenn dies nicht der Fall ist.
  • Im Zweifel: Lassen Sie Ihren Vertrag von den Expert:innen der Verbraucherzentralen prüfen und sich vorrechnen, was Kündigung, Beitragsfreistellung oder Fortführung bedeuten würden. Fragen Sie, welche Alternativen gegebenenfalls für Ihre Altersvorsorge in Frage kommen.

Was passiert, wenn ich meine Rentenversicherung vorzeitig kündige? 

Die meisten Verträge werden nicht bis zum Ende durchgehalten. Bei fondsgebundenen Policen rechnet die Finanzaufsicht damit, dass jedes Jahr mehr als 3 Prozent der Verträge vorzeitig beendet werden. Über 40 Jahre Laufzeit werden so mehr als 70 Prozent der Verträge vorzeitig aufgelöst.

Wegen hoher Abschlusskosten und Stornoabschläge führt eine Kündigung fast immer zu deutlichen Verlusten. Machen Sie sich aber bewusst: diese Verluste waren von Anfang an in Ihrem Vertrag angelegt. Wenn Sie ihn fortsetzen, bekommen Sie die bezahlten Abschluss- und Vertriebskosten nicht zurück. Sie vermeiden aber weitere Kosten. Deshalb kann es dennoch vorteilhaft sein, den Vertrag zu kündigen oder beitragsfrei zu stellen.

Welche Alternativen zur privaten Rentenversicherung gibt es für die Altersvorsorge?

Einfache Lösungen wie ETF-Sparpläne, Festgeld, Sparbriefe oder eine Mischung daraus bringen meist deutlich bessere Ergebnisse für die Altersvorsorge.
Altersvorsorge ist in erster Linie Vermögensaufbau. Eine gute Strategie sollte:

  • flexibel genug für Ihre Situation sein,
  • nicht riskanter, als Sie es möchten,
  • und möglichst rentabel.

Lassen Sie sich in Ihrer Verbraucherzentrale zur Altersvorsorge beraten, besuchen Sie unsere Online Seminare zur Altersvorsorge oder lesen Sie den Ratgeber der Verbraucherzentralen.

FAQ zur privaten Rentenversicherung

Ist eine private Rentenversicherung sinnvoll für die Altersvorsorge?

Meist nicht. Wegen hoher Kosten und niedriger oder unsicherer Renditen sind einfachere Alternativen oft deutlich besser. 

Warum ist die Rendite so niedrig?

Ein großer Teil der Beiträge geht für Abschluss-, Vertriebs- und laufende Kosten drauf. Was übrig bleibt, wird nur gering verzinst. 

Sind Garantien bei der privaten Rentenversicherung sicher?

Sie gelten nur eingeschränkt: Sie beziehen sich auf Beiträge nach Kosten und können im Notfall des Versicherers sogar gekürzt werden. Das gilt auch für Rentenfaktoren bei Fondspolicen. 

Was soll ich tun, wenn ich schon eine private Rentenversicherung habe?

Lassen Sie prüfen, ob Kündigung, Beitragsfreistellung oder Fortführung sinnvoller ist. Die Verbraucherzentralen helfen dabei und rechnen die Varianten für Sie durch.

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