Melatonin zum Einschlafen: Wie sinnvoll sind Produkte wie Sprays?

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Melatonin-Sprays und -Tabletten werden häufig als Einschlafhilfe beworben. Doch wie wirksam und sicher sind solche Produkte? Die Verbraucherzentralen erklären, was hinter den Präparaten steckt, welche Risiken es gibt und worauf Sie als Verbraucher:innen achten sollten.
Eine schlaflose Frau liegt wach im Bett und schaut auf eine Dose mit Schlaftabletten

Das Wichtigste in Kürze:

Kernbotschaft: Vorsicht, Wechselwirkungen

  • Melatonin-Produkte werden oft als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, obwohl sie eine hormonähnliche Wirkung haben.
  • Die Wirkung ist begrenzt: Studien zufolge verkürzt sich die Einschlafzeit meist nur um etwa 10 bis 20 Minuten.
  • Für Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin gibt es keine Höchstmengen – manche Produkte enthalten sehr hohe Dosierungen.
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten und Nebenwirkungen sind möglich. Zum Beispiel sollten Sie kein Auto mehr fahren, wenn Sie Melatonin genommen haben, weil es die Reaktionszeit verlangsamt. Lassen Sie sich vor der Einnahme ärztlich oder in der Apotheke beraten.
  • Melatoninhaltige Produkte sind für Kinder und Jugendliche ungeeignet.
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Was steckt hinter Melatonin-Produkten? 

Melatonin ist ein Hormon, das der Körper selbst bildet. Es steuert unseren Tag-Nacht-Rhythmus und signalisiert dem Körper, dass es Zeit zum Schlafen ist. In den letzten Jahren sind immer mehr Produkte mit Melatonin auf den Markt gekommen, etwa als Spray, Tropfen, Kapseln oder sogar als Gummibärchen. All diese Produkte sollen das Einschlafen erleichtern. 

Viele dieser Produkte werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Das bedeutet: Sie gelten rechtlich als Lebensmittel. Anders als Medikamente werden sie vor dem Verkauf nicht behördlich geprüft. Hersteller müssen also weder die Wirksamkeit nachweisen noch mögliche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen umfassend angeben. Wichtig ist nur, dass die Werbung nicht irreführend ist. 

Dürfen Hersteller mit einer Einschlafhilfe werben? 

Für Melatonin gibt es tatsächlich eine zugelassene gesundheitsbezogene Aussage. Sie lautet: "Melatonin trägt dazu bei, die Einschlafzeit zu verkürzen." Diese Aussage darf jedoch nur verwendet werden, wenn ein Produkt 1 Milligramm Melatonin pro empfohlene Portion enthält und Verbraucher:innen darauf hingewiesen werden, dass die Wirkung eintritt, wenn diese Menge kurz vor dem Schlafengehen aufgenommen wird.

Andere Formulierungen wie etwa "sanfter Schlafhelfer" sind laut Gerichtsurteilen nicht erlaubt. Trotzdem können Produktnamen oder Aufmachung, etwa ein Spray mit einem Doktortitel im Namen, bei manchen Verbraucher:innen den Eindruck erwecken, es handele sich um ein Arzneimittel.

Wie wirksam ist Melatonin als Einschlafhilfe tatsächlich? 

Melatonin gibt es in Deutschland auch als verschreibungspflichtiges Medikament. Es ist zur kurzfristigen Behandlung bestimmter Schlafstörungen bei Menschen über 55 Jahren zugelassen, mit einer üblichen Dosierung von 2 Milligramm pro Tag.

Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Wirkung begrenzt ist. Demnach verkürzt sich die Einschlafzeit laut einem Test der Stiftung Warentest durchschnittlich nur um etwa zehn bis 20 Minuten

Warum ist die rechtliche Situation bei Nahrungsergänzungsmitteln umstritten?

Schon seit Jahren wird darüber diskutiert, ob Melatonin überhaupt als Zutat in Lebensmitteln erlaubt sein sollte. Behörden wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und das Bundesinstitut für Risikobewertung stuften Präparate mit mehr als 0,5 Milligramm pro Tagesdosis bereits vor Jahrzehnten als zulassungspflichtige Arzneimittel ein. 

Gerichte haben jedoch unterschiedlich entschieden. Hersteller nutzen diese rechtliche Grauzone: Inzwischen gibt es zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin, oft mit Dosierungen zwischen 0,5 und 1,5 Milligramm pro Tag. Manche Produkte enthalten sogar bis zu 10 Milligramm täglich, also ein Vielfaches der Menge, die in verschreibungspflichtigen Medikamenten enthalten ist. 

Andere Anbieter werben zudem mit positiven Effekten bei Verdauungsproblemen oder einem verminderten Krebsrisiko. Der Verbraucherzentrale Bundesverband ist in einem Fall (More Nutrition More Sleep) juristisch dagegen vorgegangen. Die Klage endete mit einem Anerkenntnisurteil. +

Da es bislang keine gesetzlich festgelegten Höchstmengen gibt, liegt die Verantwortung für die Sicherheit allein bei den Herstellern.

Kommt Melatonin auch natürlich in Lebensmitteln vor? 

Melatonin kommt tatsächlich in einigen Lebensmitteln vor, etwa in Walnüssen oder Bananen. Die Mengen sind jedoch sehr gering. Um ähnliche Mengen aufzunehmen wie in manchen Nahrungsergänzungsmitteln, müssten unrealistisch große Portionen gegessen werden.

Melatonin ist als Antioxidans in Lebensmitteln enthalten, allerdings nur in sehr geringen Mengen. Damit eine Zutat als Nahrungsergänzung gelten kann, sollte die benötigte Menge auch mit normalen Mengen normaler Lebensmittel erreichbar sein. Der Verzehr von 5 Kilogramm Bananen beispielsweise wäre keine normale Menge mehr. 

In einem 2017 von Behördenseite beauftragten Gutachten zu Pistazien, welche immer wieder als sehr melatoninreich, angeblich bis zu 23 Milligramm pro 100 Gramm, angeführt werden, konnte bei einer Nachweisgrenze von 55 Nanogramm pro Gramm kein Melatonin nachgewiesen werden. Seriöse Übersichtstabellen über den Melatonin-Gehalt von Lebensmitteln gibt es nach dem Kenntnisstand der Verbraucherzentralen nicht, wohl aber einige Untersuchungen. 

Welche Risiken und Nebenwirkungen sind bei Melatonin möglich? 

Melatonin kann Nebenwirkungen verursachen. Dazu gehören unter anderem:

  • Müdigkeit und Erschöpfung am Tag,
  • Benommenheit,
  • Kopfschmerzen,
  • Schwindel oder Übelkeit,
  • Schwitzen.

Außerdem sind Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich, etwa mit Blutverdünnern oder hormonhaltigen Präparaten wie der Antibabypille. 

Nach der Einnahme kann die Reaktionsfähigkeit eingeschränkt sein. Deshalb sollten Sie kein Auto fahren oder Maschinen bedienen, wenn Sie ein melatoninhaltiges Produkt verwendet haben. 

Tests zeigen zudem Zweifel am Nutzen. Im Oktober 2025 testete Oekotest Melatonin-Sprays und bewertete das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei allen geprüften Produkten als unzureichend. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung gibt es eine Reihe an Gesundheitsrisiken, die Sie kennen sollten, bevor Sie Melatonin-Produkte verwenden. 

Für wen sind Melatonin-Präparate besonders problematisch? 

Einige Personengruppen sollten Melatonin nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Dazu gehören:

  • Kinder und Jugendliche,
  • Schwangere und Stillende,
  • Frauen mit Kinderwunsch,
  • Menschen mit hormonabhängigen Krebserkrankungen,
  • Personen mit Leber- oder Nierenproblemen,
  • Menschen mit Autoimmunerkrankungen oder Epilepsie.

Neueren Studien zufolge erkranken Erwachsene, die wegen Schlafstörungen langfristig Melatonin nehmen, deutlich häufiger an Herzinsuffizienz. Deshalb sollten Melatonin-Präparate nur mit Vorsicht verwendet werden. 

Kinder sollten keinesfalls Melatonin ohne kinderärztliche Anweisung bekommen - auch nicht in Gummibärchen-Form. Aus den USA gibt es Berichte über mehrere Todesfälle im ersten bis zweiten Lebensjahr, die mit Melatonin-Überdosierungen zusammenhängen sollen. Außerdem kann Melatonin den Beginn der Pubertät beeinflussen, wenn Jugendliche es über längere Zeit einnehmen. 

Die Stiftung Warentest hat im Juni 2025 vier Produkte für Kinder untersucht. Sie warnt vor diesen Präparaten, da sie kurz¬fristig den Schlaf-Wach-Rhythmus von Kindern erheblich stören können und die langfristigen Folgen solcher Hormongaben nicht ausreichend erforscht sind. Gerade bei Kindern und Jugendlichen raten Fachleute daher besonders zur Vorsicht. 

Worauf sollten Verbraucher:innen achten? 

Auch gesunde Erwachsene sollten melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel nicht unkontrolliert und nicht über längere Zeit einnehmen. Der Körper baut das Hormon bei manchen Menschen langsamer ab, was zu unerwartet hohen Melatoninspiegeln führen kann.

Personen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes sollten sich vor der Einnahme ärztlich beraten lassen und gegebenenfalls während der Verwendung überwacht werden. Ebenso kann die Geschwindigkeit, mit der der Körper Melatonin abbaut, von Alter und individuellen genetischen Faktoren abhängen. Auch das kann zu länger anhaltend erhöhten Melatoninspiegeln führen. 

Wenn Sie unter Schlafproblemen leiden, sprechen Sie besser zunächst mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke. Oft helfen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie feste Schlafzeiten, weniger Bildschirmlicht am Abend oder Entspannungsrituale vor dem Schlafengehen. 

Melatonin-Produkte können zwar kurzfristig beim Einschlafen helfen, sie sind jedoch kein harmloser Schlaftrick, sondern greifen in den Hormonhaushalt ein.

Zum Weiterlesen: 

Quellen:


Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern, Stand: 19.08.202420.08.2025 

Moll D: Erlaubt oder nicht? Melatonin in Nahrungsergänzungsmitteln. DAZ online vom 22.10.2019 (zuletzt abgerufen am 13.03.2026)

BfR: Melatonin als Arzneimittel zulassungspflichtig – Empfehlung der Bundesinstitute erfolgt dosisabhängig! Gemeinsame Presseerklärung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte und des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin Nr. 13/1996 vom 14.06.1996 (zuletzt abgerufen am 13.03.2026)

Gerichtsverfahren des BVL zu melatoninhaltigen Erzeugnissen – Abgrenzung Lebensmittel / Arzneimittel (zuletzt abgerufen am 13.03.2026) 

Hinneburg I: Mit Melatonin gegen den Jetlag. medizin transparent, Stand: 02.11.2020 (zuletzt abgerufen am 13.03.2026)

Xiao Meng et al. (2017): Dietary Sources and Bioactivities of Melatonin. Nutrients 9(4): 367. doi: 10.3390/nu9040367 

Tan DX et al. (2014): Melatonin identified in meats and other food stuffs: Potentially nutritional impact. J. Pineal Res. 57: 213–218. doi: 10.1111/jpi.12152 

Kirchhoff F et al. (2018): Einsatz von Melatonin bei Kindern mit Schlafstörungen – Stellungnahme der Arbeitsgruppe Pädiatrie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. (DGSM) (zuletzt abgerufen am 13.03.2026)

Memorial Sloane Kettering Cancer Center: Melatonin. Stand: 14.08.2024 (zuletzt abgerufen am 13.03.2026)

Stiftung Warentest: Medikamente im Test - Hormon Melatonin. Stand: 21.09.2022 (zuletzt abgerufen am 13.03.2026)

Melatonin für Kinder mit Schlafstörungen nur nach Voruntersuchungen verordnen. Ärzteblatt online vom 19.10.2023

Pediatric Melatonin Ingestions — United States, 2012–2021. CDC Morbidity and Mortality Weekly Report 03.06.2022/08.07.2022, 71(22);725–729. 

Lebensmittelwerbung mit gesundheitsbezogenen Angaben - Schlafhelfer. OLG Düsseldorf - I-20 U 65/22, Urteil vom 20.04.2023 (zuletzt abgerufen am 13.03.2026)

BfR (2024): Melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel: BfR weist auf mögliche Gesundheitsrisiken hin. Stellungnahme 042/2024 vom 17.09.2024 

Stiftung Warentest: Test Melatonin-Mittel für Kinder: Böse Betthupferl. Stand: 18.06.2025 (zuletzt abgerufen am 13.03.2026) 

Oekotest: Melatonin-Tests. Erst recht müde. Stand: 0128.10.2025 (zuletzt abgerufen am 13.03.2026) 

Ekenedilichukwu N et al. (2025): Effect of Long-term Melatonin Supplementation on Incidence of Heart Failure in Patients with Insomnia. Meeting Abstract 4371606. American Heart Association's 2025 Scientific Sessions and the American Heart Association's 2025 Resuscitation Science Symposium. Circulation, 06.11.2025 

Schumacher B: (2025): Kardiologen warnen: Melatonin-Einnahme mit Herzinsuffizienz assoziiert. Ärzte Zeitung online, 13.11.2025