App-Test »Zero Waste Map«: Müllvermeidung für Nordlichter

Stand:
Nicht nur im hohen Norden stellt die Umweltbelastung durch Verpackungsabfall ein riesiges Problem dar. Doch zumindest für Hamburg und Umgebung gibt es mit "Zero Waste Map" nun ein maßgeschneidertes Angebot zur Müllvermeidung beim Einkaufen. Kann die App auch im Test überzeugen?
Illustration einer Kartenmarkierung mit Mülltonnendeckel und Schriftzug "Zero Waste Map" als Logo der gleichnamigen App

Trinkwasser ohne Einweg-Plastikflasche? Unverpackte Lebensmittel aus regionaler Produktion? Offene Werkstätten für Reparatur und Upcycling? All dies ist für Menschen aus Hamburg und Umgebung nur einen Katzensprung entfernt, sofern sie denn die Zero Waste Map der Stadtreinigung Hamburg nutzen. Das ist gut fürs Klima, das Stadtbild und entlastet die zuständigen Entsorger. Eine Win-Win-Situation, die auch die meisten Sicherheitsaspekte rund um die Daten von Verbraucherinnen und Verbrauchern berücksichtigt. Inhaltliche und technische Schwächen sorgten jedoch für Frust.

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Name: Zero Waste Map
Anbieter: Stadtreinigung Hamburg (www.stadtreinigung.hamburg)
Kategorie: Digitale Welt | Lebensmittel | Umwelt & Haushalt
Zielgruppe: Erwachsene
Betriebssystem: iOS | Android
Preis: kostenlos
Links: Apple App Store | Google Play Store

Hoher Datenverbrauch für "Zero Waste"

Wie in fast allen Apps mit Kartenfunktion gilt es vor der erstmaligen Benutzung der App die Entscheidung zu treffen, ob man Zero Waste Map die Erlaubnis zur Ortung des eigenen Standorts erteilt. Wir empfehlen hier eine Freigabe während Verwendung der Software, nicht aber eine dauerhafte Zustimmung, da ansonsten im Hintergrund mobile Daten verwendet werden und der Anbieter so zu jeder Zeit des Tages (theoretisch) den Aufenthaltsort des App-Nutzenden kennt. Theoretisch ist der Einsatz der Zero Waste Map auch ohne die Zustimmung zum GPS-Tracking möglich, die Suchergebnisse auf der Umfeldkarte und dazugehörige Entfernungsdaten sind dann aber möglicherweise weniger genau. Eine Registrierung ist für die Nutzung der App nicht erforderlich, wohl aber die Zustimmung zu den Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingen. Diese sind zwar inhaltlich unproblematisch, da es sich um ein nichtkommerzielles Angebot handelt, jedoch nach der einmaligen Zustimmung innerhalb der App nicht verfügbar, um einen zweiten Blick darauf zu werfen. Auch auf der zur App gehörigen Informationsseite konnten wir diese nicht finden. Besonders kritisch beurteilen wir den hohen Datenverbrauch der App. Über zwei Tage haben wir Zero Waste Map insgesamt vier Stunden in der Praxis genutzt, wofür mehr als ein halbes Gigabyte mobiles Datenvolumen abgerufen wurde. Dies ist deutlich zu viel für eine App dieses Funktionsumfangs.

 

Screenshot des Datenverbrauchs der Zero Waste Map App
Quelle: Screenshot (iOS)

Plastikfrei Einkaufen in Hamburg

Der Startscreen empfängt uns mit einigen aktuellen Artikeln zu Nachhaltigkeitsthemen und -Events in und um Hamburg. Aber so informativ der kleine "News"-Bereich der App auch ist, dürfte doch die Umkreissuche nach Dienstleistern zum verpackungsarmen Einkaufen für die meisten Nutzer:innen von größerem Interesse sein. 214 Orte für nachhaltige Gastronomie, Secondhand-Verkauf, Repair Cafés und Wertstoffhöfe in Hamburg und im Speckgürtel der Alstermetropole sind zum Zeitpunkt unseres Tests im Mai 2024 über die Zero Waste Map findbar. Dazu gehören auch Dutzende öffentliche Trinkwasserbrunnen im Stadtgebiet, an denen man selbst mitgebrachte Flaschen und Kanister auffüllen kann. Ein Fingertipp zentriert die App-Karte bei aktivierter GPS-Funktion auf den eigenen Standort. Die vom App-Logo bekannte Kartenmarkierung zeigt Adressen in der Umgebung an, an denen man sich besonders müllsparend verpflegen, aus zweiter Hand einkaufen oder Abfälle und Schrott entsorgen kann. Die durch das Symbol oben rechts einblendbare Listenansicht führt alle in der Datenbank erfassten Orte aufsteigend nach der Entfernung zum eigenen Standort auf. Eine Filterfunktion ermöglicht an An- und Abwählen von Kategorien zur Schärfung der Ergebnisliste. Möchte man weiterführende Informationen zu einem der gelisteten Dienstleister oder Orte erhalten, sind jedoch eigenständige Apps wie Google Maps oder golocal unverzichtbar, denn Speisekarten, Fotogalerien und Nutzerbewertungen sucht man bei Zero Waste Map vergeblich. Genauso wie eine Suche nach konkreten Dienstleistern, denn die Suchfunktion in der Kartenansicht ist nur für Ortsteile und Postleitzahlen geeignet. Unabhängig von der Standortbestimmung per GPS oder Suchfeld, die Ergebnisliste ist immer die gleiche. Nur die Entfernungssortierung variiert.

 

Beispielhafte Screenshots von Funktionen der App ZERO WASTE MAP
Die übersichtliche Kartenfunktionen und Listenansicht der Ergebnisse machen Lust darauf, neue Orte zum nachhaltigen Einkaufen zu entdecken (Abb.1.&2). Die Filterfunktion ist praktisch, offenbart aber bereits, dass viele Hamburger "Zero-Waste-Hotspots" nicht in der App gelistet sind (Abb.3). Einigen mangelhaften Einträgen in der Datenbank täte eine redaktionelle Kontrolle gut (Abb.4). (Quelle: Screenshots)

Da fehlt doch etwas ...

Kritische Leser:innen dieses Tests haben sich möglicherweise bereits über die zuvor genannte Zahl von 214 "Zero-Waste-Hotspots" (Werbetext des Anbieters) im Stadtraum Hamburg gewundert. Tatsächlich bleibt die Zero Waste Map hinter ihren Möglichkeiten zurück. Gerade einmal 14 Restaurants und Cafés im gesamten Stadtgebiet und 15 Secondhand-Einkaufsmöglichkeiten in der zweitgrößten Stadt Deutschlands klingen nicht nur nach zu wenig, sie sind es auch. Beispielsweise ist keine der fünf Hamburger Filialen einer traditionsreichen Secondhand-Kaufhauskette in der App zu finden. Ebenso wenig wie die Standorte einer bekannten Unverpackt-Einzelhandelskette in der Metropole. Stattdessen wird ein mehrstöckiges Outdoor-Kaufhaus als besonders nachhaltiger Einkaufsort aufgeführt, weil sich darin ein(!) Trinkwasserspender befindet. Nun liegt es nicht im Verantwortungsbereich der Verbraucherzentralen, geschweige denn in der Macht dieses App-Tests, für ausgewogene Wettbewerbsverhältnisse unter Handelstreibenden in Hamburg zu sorgen. Aber es ist offensichtlich, dass die Datenbank der Zero Waste Map Dutzende, mutmaßlich hunderte Adressen für plastikarmes oder -freies Einkaufen in Hamburg und Umgebung vermissen lässt. Dafür spricht unter anderem, dass eine Filiale einer großen Supermarktkette damit beworben wird, dass an der Frischwarentheke mitgebrachte Behälter für Wurst und Käse verwendet werden können, die App aber keine einzige selbständige Fleischerei oder Käserei listet, in der selbiges vermutlich auch möglich wäre. Hier sind engagierte Nutzer:innen der App gefragt, die Datenbank durch ihre Fingertipps auf den Menüpunkt "Einreichen" um viele weitere Adressen zu ergänzen - und ein kompetentes Team des Anbieters, das diese Einträge redaktionell betreut.

Fazit

Am Konzept hinter Zero Waste Map gibt es wenig auszusetzen, doch inhaltlich muss sich die App manchen Kritikpunkt gefallen lassen. Wie im Falle vieler Apps mit Community-basierten Einträgen steht und fällt die Attraktivität des Angebots mit dem Umfang und der Qualität der Datenbank. Hier sollten Anbieter und App-Nutzer:innen noch ordentlich nachlegen, um einen annähernd umfassenden Überblick über alle Möglichkeiten zum klimafreundlichen und plastikfreien Einkauf und Genuss in der Hansestadt zu bieten. Wir sind gespannt darauf, wie sich das Angebot entwickelt und schauen im Laufe des Jahres wieder rein.

Handhabung 3 Sterne
Spaß 2 Sterne
Mehrwert 2 Sterne
Motivation 3 Sterne
Datensparsamkeit 2 Sterne
Gesamtwertung 2 Sterne

Haben Sie Hinweise, Korrekturen oder sonstiges Feedback zu unserem App-Test? Ich freue mich über Ihre E-Mail an lohmeier[at]vz-bln.de. Danke für Ihr Interesse! (Patrick Lohmeier)

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