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Erst ein einheitliches Label bringt Durchblick beim Einkauf von Fleisch

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Discounter Lidl hat einen vierstufigen "Haltungskompass" eingeführt, der Haltungsstandards bei Frischfleisch transparent machen soll.
  • Wir haben stichprobenartig Filialen des Unternehmens besucht und überwiegend Fleisch gefunden, das lediglich den gesetzlichen Mindeststandard einhielt. Die höheren Stufen des Haltungskompasses fanden wir nur auf wenigen Produkten und nicht in jeder Filiale.
  • Um zwischen all den Siegeln und Labeln auf Lebensmittel die Orientierung bewahren zu können, fordern wir ein einheitliches, staatliches Tierwohllabel mit hohen Tierschutzstandards.
Wer soll bei diesem Wirrwarr an Labeln noch durchblicken?
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"Haltungskompass": mehr Transparenz bei Tierhaltung

Tierschutz steht hoch im Kurs. Immer mehr Verbraucher wollen, dass Tiere gut leben, bevor sie geschlachtet werden. Der Handel reagiert darauf mit neuen Marken und Labeln. Einen anderen Ansatz verfolgt aktuell der Discounter Lidl mit seinem vierstufigen "Haltungskompass". Vier Siegel mit den Ziffern 1 bis 4 signalisieren bei den Eigenmarken von Lidl nun verschiedene Haltungsstandards bei Frischfleisch – von der Einhaltung gesetzlicher Mindestanforderungen bis zum Öko-Standard.

  • Stufe 1: "Stallhaltung"
  • Stufe 2: "Stallhaltung Plus"
  • Stufe 3: "Außenklima"
  • Stufe 4: "Bio"

Forderung nach einheitlichem, staatlichem Tierwohllabel

Eine Kennzeichnung der Tierhaltung ist ein guter Ansatz. Doch mit jedem zusätzlich eingeführten Siegel wird es immer schwieriger, den Labeldschungel zu durchschauen. Um Verbrauchern Orientierung und Verlässlichkeit beim Einkauf zu geben, brauchen wir schnell ein einheitliches, mehrstufiges staatliches Tierwohllabel mit hohen Tierschutzstandards.

"Bio"-Siegel bei Lidl nur selten zu finden

Die Verbraucherzentralen haben in zehn Bundesländern und insgesamt 13 Filialen stichprobenartig nachgeschaut, welche Kennzeichnungen beim Frischfleischangebot von Lidl zu finden sind.

In den Kühltheken haben wir überwiegend Fleisch gefunden, das lediglich den gesetzlichen Mindeststandard einhielt.

Mit dem geringfügig höheren Tierschutzstandard der Stufe 2 "Stallhaltung plus" war nur frisches ungewürztes Geflügelfleisch zu finden, das von Betrieben der Brancheninitiative Tierwohl stammt. Diese Betriebe bieten ihren Tieren beispielsweise zehn Prozent mehr Platz. Allerdings gab es bei dieser Kennzeichnung widersprüchliche Angaben. Auf gut der Hälfte der Geflügelpackungen mit dieser Kennzeichnung stand, dass das Fleisch möglicherweise nicht aus Betrieben der Initiative Tierwohl stammt. Lidl muss hier unserer Ansicht nach zwingend nachbessern.

Das Angebot an Frischfleisch mit höherem Tierschutzstandard, wie Zugang der Tiere zu Außenklimabereichen (Stufe 3), ist sehr überschaubar. Hier fanden wir in der Erhebung nur ganze Hähnchen – und das nicht einmal in jeder Filiale.

Das Siegel der Stufe 4 "Bio" fand sich im Prinzip nur auf wenigen Packungen mit Hackfleisch und Gulasch.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat angekündigt, das seit Langem geplante staatliche Tierwohllabel zügig auf den zu Weg bringen, um einem zunehmenden Labeldschungel Einhalt zu gebieten. Nur ein einheitliches staatliches Siegel, das hohe Standards für Tierschutz und Tiergesundheit garantiert, schafft Transparenz und Verlässlichkeit für Verbraucher.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat Fragen und Antworten rund um das Tierwohllabel und die Kennzeichnung von Fleisch zusammengetragen. Hier gelangen Sie zum FAQ.