So finden Sie den passenden Strom- oder Gastarif

Stand:

Viele Strom- und Gasanbieter erhöhen aktuell die Preise. Hier erfahren Sie, wie Sie bei der Tarifsuche vorgehen sollten. Außerdem helfen wir Ihnen, zwischen Bonus-Tarifen, Preisgarantien und Bündelangeboten alle Vertragsbedingungen im Blick zu behalten.

Das Wichtigste in Kürze:

•    Die Ersparnis beim Anbieterwechsel ist in vielen Städten gering, manchmal ist sogar die Grundversorgung am günstigsten.
•    Neben dem Preis sind bei Gas- und Stromtarifen auch Punkte wie kurze Laufzeiten und Kündigungsfristen wichtig.
•    Vergleichsportale sind aktuell nur eingeschränkt nutzbar
•    Zu Bonus-Tarifen, Preisgarantien, Ökostrom und Online-Tarifen sollten Sie sich vorab genau informieren.

Stromstecker und Münzen liegen vor einer Steckdose
On

Die aktuelle Situation auf dem Gas- und Strommarkt

Derzeit herrscht eine Ausnahmesituation auf dem Gas- und Strommarkt: die Beschaffungspreise sind seit Monaten sehr hoch, einige Anbieter haben einen Belieferungsstopp angekündigt, andere mussten Insolvenz anmelden. Viele Energieanbieter haben mit Preiserhöhungen reagiert.

In einigen Städten ist momentan der Grundversorgungstarif der günstigste Tarif. Die Ersparnis beim Anbieterwechsel ist in vielen Liefergebieten gering. Es ist teilweise schwierig, attraktive Tarife zu finden. Insbesondere dann, wenn der Tarif eine Preisgarantie haben soll.

Gut zu wissen: Vergleichsportale beziehen die Grundversorgungstarife oftmals nicht in ihr Suchergebnis ein. Zudem stimmen zurzeit oftmals die Preise der ausgewiesenen Tarife in den Portalen nicht. Die Preise sind veraltet und günstig und erscheinen deshalb weit oben im Suchergebnis. Es kann aber auch aktuelle, günstige Tarife bei Anbietern geben, die nicht im Portal abgebildet werden, so dass dann nur teurere Tarife im Portal erscheinen.

So sollten Sie vorgehen:

  • Bleiben Sie in Ihrem Bestandstarif, wenn Sie noch eine günstigen Tarif und bisher keine Preiserhöhung erhalten haben.
  • Sie haben eine Preiserhöhung bekommen und suchen einen neuen Tarif?  Dann erkundigen Sie sich beim Grundversorger vor Ort nach günstigen Tarifen. Als Übergangslösung sollten Sie den Grundversorgungstarif  mit in IhreRecherche einbeziehen.
  • Finden Sie auf diese Weise keinen geeigneten Tarif können Sie sich z.B, bei anderen Stadtwerken und Energieversorgern nach Tarifen umsehen.
  • Eine Orientierung kann auch ein Vergleichsportal geben. Bitte beachten Sie hier allerdings, dass viele Preise nicht aktuell sind.
  • Wenn Sie nur teurere Tarife finden, achten Sie darauf, dass sie Laufzeit nicht zu lange ist. Schließen Sie einen Tarif ab, den Sie monatlich oder quartalsweise kündigen können. Schauen Sie sich in ein paar Wochen erneut nach günstigeren Tarifen um.

Flexibel bleiben: Kurze Fristen

Binden Sie sich nicht unnötig lang an einen Energieanbieter. Bleiben Sie lieber flexibel, so dass Sie bei Bedarf andere attraktive Angebote nutzen können. Als Filtereinstellung empfehlen wir hierzu:

  1. maximal 12 Monate Erstvertragslaufzeit
  2. maximal 1 Monat Verlängerung
  3. maximal 1 Monat Kündigungsfrist

Nutzen Sie nur Tarifportale, die Ihnen all diese Einstellungen bei der Suche ermöglichen.

Schützt ein Tarif mit Preisgarantie vor Preiserhöhungen?

Ob eine Preisgarantie sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt immer davon ab, wie die Preise aktuell sind und wie sie sich voraussichtlich entwickeln. Und zusätzlich davon, welche Preiskomponenten die Preisgarantie abdeckt. Eine Empfehlung für die derzeitige Situation finden Sie im roten Kasten unten.

Generell gilt: Ist ein Tarif mit Preisgarantie nicht teuer, und hat er eine Erstlaufzeit von maximal einem Jahr, schadet die Garantie nicht. Neben Preis und Laufzeit ist der Umfang der Garantie entscheidend..

Viele Preisgarantien sind eingeschränkt. Sie klammern gesetzlich regulierte Preisbestandteile wie Netzentgelte, Steuern, Abgaben oder Umlagen aus. Verändern sich diese Preisbausteine, greift die Garantie also nicht – der Anbieter kann seine Preise trotzdem erhöhen.

Der Anteil der ausgeklammerten Elemente am Gesamtpreis kann hoch sein: Beim Gas sind es bis zu etwa 50 Prozent, beim Strom können es sogar mehr als 80 Prozent sein. Derzeit steigen sowohl bei Strom als auch bei Gas die Beschaffungskosten. Eine Preisgarantie kann daher vor steigenden Preisen schützen.

Aktuelle Empfehlung zu Preisgarantien:

2021 sind die Beschaffungskosten bei Strom stark und bei Gas außergewöhnlich stark gestiegen. Es ist zu erwarten, dass viele Anbieter mit Preiserhöhungen reagieren werden. Bei Strom wird die EEG-Umlage 2022 sinken - um circa 3,3 Cent brutto im Vergleich zu 2021. Das mildert den Preisanstieg der Beschaffungskosten etwas ab. Die Netzentgelte werden 2022 durchschnittlich etwas steigen. Hier gibt es regional große Unterschiede.

Bei Strom hat ein Tarif mit Preisgarantie aktuell einen Mehrwert. Er verhindert, dass Sie möglicherweise kurz nach dem Wechsel eine Preiserhöhung erhalten und erneut wechseln müssen.Von einem teuren Tarif mit Preisgarantie sollten Sie absehen. Maximal sollten Sie sich ein Jahr binden.

Beim Gas sind die Beschaffungskosten 2021 deutlich gestiegen. Dies wird sich auf viele Verbraucherverträge auswirken.Preiserhöhungen sind wahrscheinlich. Wenn Sie einen günstigen Tarif mit Preisgarantie finden, sollten Sie zugreifen. Ab dem 1. Januar 2022 wird es Veränderungen bei der CO2-Abgabe und in vielen Regionen auch bei den Netzentgelten geben. Wenn Sie nur eine eingeschränkte Preisgarantie wählen, kann es trotzdem zu Preiserhöhungen kommen. Dennoch schützt auch eine eingeschränkte Garantie zurzeit gut vor den stark gestiegenen Beschaffungskosten.

Auch ohne Preisgarantie müssen Sie Preiserhöhungen nicht hinnehmen: Ändern sich Preise, haben Sie immer ein Sonderkündigungsrecht.

 

Bei Bonus-Tarifen auf weitere Wechsel einstellen

Bei einem Tarif mit Bonus sollten Sie sich darauf einstellen, nach einem Jahr erneut zu wechseln. Denn das zweite Vertragsjahr ist in den Bonus-Tarifen in der Regel teurer. Die ausgewiesene Ersparnis im ersten Jahr geht oft ausschließlich auf den Bonus zurück.

Deshalb ist es hilfreich, beim Tarifvergleich den Bonus nicht einrechnen zu lassen. Achten Sie zudem genau auf die Bedingungen für den Bonus.

Online-Tarife bewusst wählen

Sogenannte Online-Tarife bilden mittlerweile den Großteil der günstigsten Tarife in den Vergleichsportalen. Dabei läuft der Kontakt zum Anbieter in der Regel ausschließlich per E-Mail oder über ein Kundenportal. Persönliche Gespräche und teils auch Telefonate sind nicht vorgesehen. Auch von Preiserhöhungen erfahren Sie in diesen Tarifen nur auf dem elektronischen Weg.

Wählen Sie deshalb nur dann einen Online-Tarif, wenn Sie Ihre E-Mails regelmäßig lesen und auf persönlichen Service verzichten können.

In den meisten Vergleichsportalen gibt es zurzeit keinen Filter für Online-Tarife. Die Portale weisen aber aus, wenn es sich um einen Online-Tarif handelt.

Ein Tipp: Falls Sie in einem Vergleichsportal einen Online-Tarif finden, der für Sie gut passt, Sie ihn aber lieber mit persönlichem Service und Rechnungen per Post hätten, fragen Sie den Anbieter direkt an. Einige Unternehmen gehen darauf ein.

Ökostrom und Ökogas: Umweltnutzen nicht überschätzen

Einen Tarif mit Ökostrom zu wählen, bringt der Energiewende nicht viel. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird in Deutschland vor allem über die EEG-Umlage finanziert, die Verbraucher sowieso bezahlen. Viele Ökostromtarife haben keinen darüber hinausgehenden Klimanutzen.

Wer die für das Klima sinnvollsten Angebote finden möchte, kann sich aber an den Labels "ok-power" und "Grüner Strom Label" orientieren.

Auch Ökogas und Klimagas haben nur bedingt nachweisbare Umweltvorteile. Vergleichbare Labels gibt es hierfür aber nicht.

Nicht von Prämien und Bündelangeboten blenden lassen

Manchmal umfasst ein Angebot zusätzlich zum Strom- oder Gastarif ein weiteres Produkt, teilweise als Prämie bezeichnet. Das kann zum Beispiel ein Grill sein, ein Smartphone, ein Fahrrad oder ein Zeitschriftenabo. Für ein solches Bündelangebot zahlen Sie in der Regel einen so viel höheren Grundpreis, dass es günstiger wäre, die Energie und das Prämien-Produkt einzeln zu kaufen.

Ein Abo kann sich zudem als Kostenfalle erweisen und läuft möglicherweise länger als Ihr Energievertrag. Prüfen Sie solche Angebote deshalb genau.

Auf die Anzahl der Abschläge achten

Anbieter verlangen üblicher Weise 12 monatliche Zahlungen, die sogenannten Abschläge, von Ihnen. Einige Anbieter nehmen allerdings auch 11 Abschläge. Teilen sich Ihre voraussichtlichen Energiekosten nur in 11 Abschläge auf, ist Ihr Abschlag also ein wenig höher als bei 12 Abschlägen.

Das ist im Falle einer Insolvenz Ihres Energieanbieters nachteilig. Denn bei 11 Abschlägen entsteht ein unnötig hohes Guthaben gegenüber dem Energieversorger, das Sie im Falle einer Insolvenz kaum zurückbekommen werden. Zudem sind geringere Abschläge vorteilhafter für Haushalte, die über ein geringes monatliches Budget verfügen. Sie sollten sich also für 12 Abschläge entscheiden.

Über neuen Energieanbieter informieren

Um an einen möglichst kundenfreundlichen Anbieter zu gelangen, können Sie die Erfahrungen anderer Kunden nutzen. Dabei sollten Sie beachten, dass ein und dasselbe Unternehmen Energie unter mehreren Vertriebsmarken verkaufen kann. Orientieren Sie sich deshalb ruhig auch an den Erfahrungen mit anderen Marken desselben Unternehmens.

Bringen Sie am besten in Erfahrung, ob sich Verbraucher:innen vermehrt über einen Anbieter beschwert haben. Typische Probleme sind beispielsweise:

  • nicht erstellte Jahres- oder Schlussrechnungen
  • die Nichtauszahlung von Boni oder Guthaben
  • drastische Preiserhöhungen
  • untergeschobene Verträge

Als Quellen für Ihre Recherche eignen sich:

  1. Die Internetseiten der Anbieter selbst. Gewinnen Sie hier einen schlechten Eindruck, weil etwa keine klaren Produktbeschreibungen, Kontaktmöglichkeiten oder Hinweise zum Unternehmen zu finden sind, sollten Sie sich nicht auf einen Vertrag einlassen.
  2. Veröffentlichungen von Urteilen und Abmahnungen der Verbraucherzentralen
  3. Das Portal www.energieanbieterinformation.de, in dem der Bund der Energieverbraucher Hintergrundinformationen zu den einzelnen Firmen veröffentlicht.