Heizung tauschen – so geht's Schritt für Schritt

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Ob Wärmepumpe, Solarthermie oder eine Pelletheizung: Eine Heizungsmodernisierung muss richtig geplant werden. Unsere Tipps helfen Ihnen bei der Umsetzung.
Person mit roten Schuhen läuft blaue Treppe hich

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein Heizungstausch sollte frühzeitig geplant werden: bevor die Heizung kaputt geht!
  • Wichtiger Schritt: Den Zustand der alten Heizung bewerten. Durch Fördergelder lohnt sich ein Austausch auch früher.
  • Die richtige Heizung aussuchen: Das geht sowohl nach ökologischen als auch ökonomischen Kriterien. In jedem Fall sollten Sie gut überlegen, planen, und sich beraten lassen, da Sie sich für etwa 20 Jahre festlegen.
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Heizung austauschen – in 5 Schritten richtig planen

Alte Heizkessel arbeiten meist ineffizient und verbrauchen häufig viel Brennstoff. Eine Heizungsmodernisierung ist daher ökologisch und ökonomisch sinnvoll – in manchen Fällen sogar gesetzlich vorgeschrieben! Außerdem steigt mit dem Alter der Heizung auch das Risiko einer Störung oder eines kompletten Ausfalls.

Es gibt also gute Gründe für eine Heizungssanierung. Damit einem reibungslosen Heizungsaustausch nichts im Wege steht, hier unsere Tipps:

1. Ausgangssituation betrachten: Die Heizungsanlage überprüfen (lassen)

Ist ein Austausch Ihrer Heizung notwendig? Eine erste Analyse Ihres Heizkessels kann hilfreich sein. Stellen Sie sich hierzu folgende Fragen:

  • Ist Ihre Heizung älter als 15 Jahre?
  • Heizen Sie noch mit einem Heizwertkessel, z.B. einem Konstanttemperatur-Heizkessel?
  • Heizen Sie noch mit Öl oder Gas?
  • Ist Ihr Jahresverbrauch gestiegen?
  • Fehlt eine witterungs- oder zeitgeführte Heizungsregelung?
  • Ist Ihr Heizungsraum wärmer als 22 Grad?
  • Gibt es keine Ersatzteile mehr für Ihr Modell?

Informationen zu diesen Fragen finden Sie in Ihrem Schornsteinfegerprotokoll, dem Typenschild auf dem Heizkessel und der Abrechnung Ihrer Gas- oder Brennstofflieferung.

Wenn Sie mindestens eine dieser Fragen mit "Ja" beantworten müssen, kann ein Austausch Ihrer Heizung sinnvoll sein und sollte geplant werden. Denn je schlechter der Zustand Ihrer Heizung ist, desto mehr lohnt es sich auch finanziell für Sie: die hohen Investitionskosten zahlen sich durch geringere Verbrauchskosten meist aus und Sie sparen sich weitere mögliche Wartungs- und Reparaturkosten. Zudem bieten Länder und der Bund gerade attraktive Förderungen im Bereich Heizungssanierung.

Häufig ist auch nach einer Gebäudemodernisierung die Heizleistung des alten Heizkessels zu groß. Lässt sich diese dann nicht anpassen, so verursacht der Kessel höhere Energieverluste und einen schnelleren Verschleiß. Spätestens dann sollten Sie mit der Planung für eine neue Heiztechnik beginnen und in Zeiten der Energiewende nachhaltige Energietechniken in den Blick nehmen.

Lieber eine frühzeitige und geplante Heizungsmodernisierung als eine defekte Heizung, wenn Sie sie eigentlich gerade brauchen.

Möchten Sie eine Immobilie mit "alter Heizung" kaufen, sollten Sie die Heizungsmodernisierung von Beginn an in Ihr Budget mit einkalkulieren. Die "Neue" hilft Ihnen, Kohlendioxidausstoß zu reduzieren und Heizkosten zu sparen und steigert in jedem Fall den Wert Ihrer Immobilie. Bei einigen modernen Heiztechniken müssen Sie mit höheren Investitionskosten rechnen als bei einem konventionellen, fossilen Heizkessel. Klimafreundliche Heizsysteme mit Erneuerbaren Energien lohnen sich aber auf Dauer und auch dank öffentlicher Fördermittel und geringerer Zusatzabgaben für CO2-Emissionen.

Hilfe bei der Beurteilung des Zustands Ihrer Heizung kann eine unabhängige Energieberatung bieten.

2. Heizung richtig auswählen: Was ist wichtig?

Heute können Sie zwischen vielen verschiedenen Heizungssystemen und Energieträgern wählen. Die neue Heizung sollte zu Ihren Bedürfnissen passen und den jetzigen sowie zukünftigen Zustand Ihres Hauses berücksichtigen. Zudem sollten Sie im Blick haben, dass das Heizen mit fossilen Brennstoffen jedes Jahr aufgrund des CO2-Preises teurer wird und Sie beim Heizungswechsel eine Entscheidung für die nächsten 20 Jahre treffen – wir empfehlen deshalb den Wechsel zu einer Wärmepumpe.

Die wichtigsten Heizungssysteme erläutert der Ratgeber Heizung. Darin finden Sie Vor- und Nachteile, ausführliche Checklisten für die Anschaffung und viele Rechenbeispiele, die zeigen, wie wirtschaftlich ein Heizungstausch sein kann.

Bei der Planung helfen folgende Fragen:

  • Wollen Sie die neue Heizung nach ökonomischen oder ökologischen Gesichtspunkten auswählen?
  • Wie ist der Sanierungszustand Ihres Hauses? Zum Beispiel der Fenster oder Fassade? Planen Sie hierbei in nächster Zeit eine Modernisierung?
  • Wie ist der Zustand der Heiztechnik insgesamt, beispielsweise der Leitungen und Heizflächen?
  • Haben Sie über den Einsatz erneuerbarer Energien nachgedacht?
  • Wie können Sie Sonnenenergie – für Strom oder Wärme – einbinden?
  • Läuft die Versorgung mit Warmwasser über die zentrale Heizung oder separat über einen Durchlauferhitzer?
  • Ist eine Bohrung oder das Verlegen von Erdkollektoren für eine Wärmepumpe auf dem Grundstück möglich? Oder gibt es einen guten Aufstellort für eine Luft-Wärmepumpe?

Wenn Sie dennoch oder übergangsweise bei Ihrem bisherigen Energieträger Gas bleiben müssen, sind die Anschaffungskosten für eine neue und zumindest energieeffizientere Brennwertheizung in der Regel nicht sehr hoch. Allerdings wird der reine Austausch einer Gasheizung nicht gefördert – sondern erst, wenn erneuerbare Energien dazu kommen. Zudem wird der Energieträger Gas durch den jährlichen steigenden CO2-Preis zunehmend unattraktiver – ökonomisch wie ökologisch.

Ein Heizsystem mit erneuerbaren Energien schützt die Umwelt und macht Sie etwas unabhängiger von knapper werdenden (fossilen) Brennstoffen und den steigenden Energiepreisen von Gas und Öl. Die Investitionskosten bei einer Wärmepumpe, Holzpelletheizung oder einer zusätzlichen solarthermischen Anlage sind zwar auf den ersten Blick höher, rechnen sich aber meist durch die effiziente Bereitstellung der Wärme und die großzügigen Förderprogramme und zinsgünstigen Darlehen.

Mit der schrittweisen Umstellung der Förderprogramme des Bundes (BAFA, KfW) fällt eine Förderung heizölbasierter Systeme weg. Ein Einbau von Heizöl-Kesseln soll ab 2026 im Regelfall verboten werden. Auch für die Gasheizung kann es in der Zukunft eng werden.

Sie sollten diese Fristen nicht nutzen, um die alte Technologie ein letztes Mal in die Verlängerung zu schicken – denn mit der neuen Heizung legen Sie sich für die nächsten 20 Jahre fest. Informieren Sie sich über die Vor- und Nachteile aller gängigen Heizsysteme. Nehmen Sie sich für Ihre Entscheidung Zeit und wägen Sie Vor- sowie Nachteile ab, auch mit Blick auf die steigenden CO2-Preise im Rahmen des Klimapakets.

3. Heizungsaustausch planen und Angebote einholen: Worauf Sie achten sollten

Haben Sie sich für ein neues Heizsystem entschieden? Holen Sie bei Ihren Heizungsfachbetrieben vor Ort mehrere individuelle Angebote ein. Vergleichen Sie die Kosten und Leistungsangebote für die neue Heizung gut und wählen Sie einen seriösen Fachbetrieb für Ihre Heizungsmodernisierung.

Folgende Fragen sollten Sie mit Ihrem Heizungsinstallateur vor dem Austausch klären, um böse Überraschungen zu vermeiden. Ein guter Betrieb sollte zu allen Fragen ausreichende Informationen geben können – ist das nicht der Fall, holen Sie weitere Angebote ein.

  • Wann ist ein guter Zeitpunkt für die Heizungsmodernisierung?
  • Wie lange müssen Sie bis zur Installation der neuen Heizung warten?
  • Welche Erfahrungen hat der Betrieb mit dem gewünschten Heizsystem?
  • Wer entsorgt die alte Heizungsanlage?


Wir empfehlen die Angebote von einer unabhängigen Energieberatung prüfen zu lassen, insbesondere bei hohen Investitionen in neue Systeme – wie etwa einer Solarthermie-Anlage oder Wärmepumpe. Die Fachleute können die geplante Dimensionierung überprüfen und Ihnen mögliche Maßnahmen zur Optimierung des Angebots und passende Förderprogramme nennen. Entsprechende Beratungsangebote gibt es zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen.

4. Fördermittel und Zuschüsse in Anspruch nehmen

Mit dem Klimapaket und der Bundesförderung für effiziente Gebäude hat die Bundesregierung ihre Förderung für effiziente und klimafreundliche Heizungsanlagen verbessert. Die Zuschüsse des Bundes für den Heizungsaustausch werden über die KfW abgewickelt. Aber auch Länder und Kommunen fördern weiterhin den Heizungsaustausch. Die Förderung für ein geplantes Vorhaben kann verbessert werden, indem einzelne Förderprogramme, je nach Vorgabe der Richtlinien, kombiniert werden. Das Kombinationsverbot von BEG EM (Einzelmaßnahmen) mit BEG WG (Wohngebäude) und BEG NWG (Nichtwohngebäude) wurde zum 01. Januar 2024 aufgehoben.

Die Förderung für Heizungen mit erneuerbaren Energien müssen Sie immer vor Abschluss des Liefer- und/oder Leistungsvertrages (z.B. bei Ihrem Installateur) beantragen. Hier gilt derzeit noch eine Übergangsregelung: Der Förderantrag kann bis zum 30. November 2024, ausnahmsweise auch noch nach dem Heizungstausch, bis zum 31. August 2024 eingereicht werden.

Informieren Sie sich daher frühzeitig über mögliche Förderprogramme, die damit verbundenen Bedingungen und lassen Sie sich unabhängig beraten. 

5. Heizung optimieren: Heizungspumpe, Heizkörper, Rohre und Co. aufeinander abstimmen

Die neue Heizung soll im ganzen Haus für Komfort sorgen und dabei verlässlich arbeiten. Dafür ist es wichtig, alle weiteren Heizungskomponenten unter die Lupe zu nehmen und die Heizung zu optimieren: Heizungspumpe, Heizungsrohre, Heizungsregelung, Heizkörper oder Thermostate.

Die Heizung sollte so gesteuert sein, dass sie sich nicht nur der Außentemperatur, sondern auch Ihren Bedürfnissen und persönlichen Tagesabläufen anpasst. Die meisten Heizungsanlagen sind standardmäßig "witterungsgeführt", sodass das System automatisch auf die Außentemperatur reagiert. Moderne Heizungen bieten darüber hinaus die Möglichkeit, den Kessel mit dem Internet zu verbinden und die Heizung beispielsweise über Wettervorhersagen oder eine App von unterwegs steuern zu lassen.

Dämmen Sie außerdem Ihre Heizungsrohre und Armaturen im Heizungsraum – so vermeiden Sie unnötige Wärmeverluste und sparen Heizkosten.

In den meisten Häusern arbeiten noch alte Heizungspumpen – ein Umtausch lohnt sich: Bei einer neuen, elektronisch geregelten "Hocheffizienzpumpe" sparen Sie bis zu 130 € im Jahr.

Ihre Heizkörper sind unterschiedlich warm oder die Heizung erzeugt Störungsgeräusche? Lassen Sie – durch einen Heizungsfachbetrieb – einen hydraulischen Abgleich durchführen. Dieser sorgt für eine behagliche und gleichmäßige Wärmeverteilung im ganzen Haus und Sie sparen zusätzliche Heizkosten. Außerdem sorgt der Abgleich für einen wirtschaftlich optimalen Betrieb von Brennwertkessel oder Wärmepumpe.

Und zu guter Letzt: Lassen Sie für einen dauerhaft störungsfreien Betrieb Ihre Heizung regelmäßig warten!

6. Sie benötigen in Zukunft kein Gas mehr? Denken Sie an ihren Gasanschluss und Zählerausbau

Gasanschluss: Rückbau oder Stilllegung?
Wenn Sie in Zukunft kein Gas mehr benötigen, dann sollten Sie aus Sicherheitsgründen Ihren Gasanschluss vom Netzbetreiber stilllegen oder zurückbauen lassen. Stellen Sie dazu einen schriftlichen Antrag bei Ihrem Netzbetreiber. Den Unterschied zwischen Stilllegung und Rückbau erklärt die Bundesnetzagentur hier.

Zählerausbau:
Zudem sollten Sie Ausbau des Gaszählers bei Ihrem Gasnetzbetreiber beantragen. Solange der Zähler noch verbaut ist, werden voraussichtlich auch Kosten für den Zähler entstehen, das sind Grundkosten für den Betrieb der Messstelle. Schicken Sie zum Zählerausbau einen schriftlichen Antrag an Ihren Netzbetreiber. Eine Kündigung des Gasliefervertrages bei ihrem Gaslieferanten reicht nicht aus. Manchmal finden Sie auch Formulare online bei Ihrem Netzbetreiber auf der Internetseite. Wer Ihr Netzbetreiber ist, steht in der Regel auf Ihrer Gasrechnung. Planen Sie mindestens zwei Wochen Vorlaufzeit ein, besser mehr.

Gasliefervertrag:
Es ist wichtig, den Gasliefervertrag rechtzeitig zu kündigen. Die Stilllegung eines Anschlusses begründet nicht zwingend ein Sonderkündigungsrecht.

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