Neue Gentechnik-Verordnung: Verbraucherzentrale kritisiert gestrichene Kennzeichnung
Das Europäische Parlament hat am 17. Juni der Deregulierung von Pflanzen aus Neuer Gentechnik zugestimmt. Aus Sicht der Verbraucherzentrale Saarland ist dies ein Schritt in die falsche Richtung. Wichtige und bewährte Vorsorgemaßnahmen wie Zulassung, Risikoüberprüfung, Kennzeichnung und Nachverfolgbarkeit werden geschwächt oder fallen ganz weg.
„Ohne eine verpflichtende Kennzeichnung können Verbraucher:innen künftig nicht mehr erkennen, ob Lebensmittel mit Neuer Gentechnik erzeugt wurden. Damit geht ein Stück Wahlfreiheit verloren. Gleichzeitig wird das europäische Vorsorgeprinzip ausgehöhlt“, kritisiert Theresia Weimar-Ehl, Referentin für Lebensmittel & Ernährung der Verbraucherzentrale Saarland.
Der Gesetzesvorschlag war bis zuletzt umstritten. Künftig soll für die meisten Pflanzen lediglich das Saatgut gekennzeichnet werden. Die daraus gewachsenen Pflanzen sowie die daraus hergestellten Lebensmittel müssen hingegen nicht mehr gekennzeichnet werden. Auch die bislang geltenden Anforderungen an Zulassung, Risikoprüfung und Nachverfolgbarkeit werden erheblich reduziert.
Folgen für gentechnikfreie und ökologische Landwirtschaft
Besonders kritisch sieht Weimar-Ehl die Folgen für die gentechnikfreie und die ökologische Landwirtschaft. „Wenn Produkte aus Neuer Gentechnik nicht mehr entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfasst und gekennzeichnet werden, wird es für Bio-Betriebe und Hersteller gentechnikfreier Lebensmittel deutlich schwieriger und teurer, ihre Gentechnik-Freiheit nachzuweisen“, so Weimar-Ehl
Aus Sicht der Verbraucherzentrale Saarland müssen gentechnisch veränderte Pflanzen weiterhin einer unabhängigen Risikoüberprüfung unterzogen werden. Erforderlich sind außerdem eine wirksame Nachverfolgbarkeit, ein Langzeitmonitoring möglicher Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit, klare Haftungsregelungen sowie Maßnahmen, die die Koexistenz von gentechnisch verändertem, konventionellem und ökologischem Anbau gewährleisten.
Deregulierung hat besondere Bedeutung für das Saarland
Wenn diese Schutzstandards künftig nicht mehr auf EU-Ebene sichergestellt werden, sind die nationalen Gesetzgeber gefordert. Sie müssen den Schutz der Umwelt und der Menschen gewährleisten und gleichzeitig die Voraussetzungen für eine weiterhin gentechnikfreie und ökologische Erzeugung schaffen.
Gerade für das Saarland ist dies von besonderer Bedeutung. Mit einem Ökolandbau-Anteil von über 20 Prozent gehört das Bundesland zu den Vorreitern in Deutschland. Diese Strukturen gilt es zu erhalten und vor den Folgen einer unzureichend regulierten Gentechnik zu schützen.
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