Taurin gegen das Altern? Was Nahrungsergänzungsmittel wirklich können

Stand: 07. September 2026

Taurin ist vor allem als Zutat von Energy-Drinks bekannt. Seit einigen Jahren wird die Aminosulfonsäure zusätzlich als Anti-Aging-Mittel vermarktet. Die Verbraucherzentrale informiert, was hinter den Versprechen steckt, wo Vorsicht angebracht ist und ob eine Einnahme über Nahrungsergänzungsmittel überhaupt sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze:
 

  • Taurin bildet der Körper selbst und nimmt es zusätzlich über tierische Lebensmittel auf. Für gesunde Erwachsene ist eine zusätzliche Einnahme über Nahrungsergänzungsmittel nicht notwendig.
  • Anti-Aging-Versprechen zu Taurin stützen sich überwiegend auf Tierversuche und sind für den Menschen wissenschaftlich nicht belegt.
  • Für Nahrungsergänzungsmittel mit Taurin sind gesundheitsbezogene Aussagen mangels ausreichender Belege nicht zugelassen.
  • Bei Nierenerkrankungen ist von der Einnahme taurinhaltiger Nahrungsergänzungsmittel abzuraten.
  • Bei Energy Shots mit hohen Koffein- und Taurinmengen ist besondere Vorsicht angebracht.

Was ist Taurin und brauche ich es als Nahrungsergänzungsmittel?

Taurin ist eine Aminosulfonsäure, keine proteinbildende Aminosäure im engeren Sinn. Der Körper stellt Taurin selbst aus den schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein und Methionin her und nimmt zusätzlich über tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte Taurin auf. In pflanzlichen Lebensmitteln kommt es kaum vor, weshalb Menschen mit veganer Ernährung entsprechend wenig Taurin über die Nahrung zuführen. Das ist kein Problem, solange ausreichend Eiweiß gegessen wird, aus dem der Körper Taurin bildet. Ein Taurinmangel durch vegane Ernährung ist wissenschaftlich nicht belegt.

Da der Körper Taurin selbst bilden kann, gilt es für gesunde Erwachsene nicht als essenziell. Für sie besteht daher in der Regel kein Bedarf an einer zusätzlichen Einnahme über Nahrungsergänzungsmittel. Eine Ausnahme bilden Frühgeborene und Säuglinge, bei denen die körpereigene Bildung noch nicht ausreicht. Muttermilch enthält Taurin und es darf in der EU  Säuglingsanfangs- und Folgenahrung zugesetzt werden. In Arzneimitteln kommt Taurin ausschließlich im Rahmen der sogenannten parenteralen Ernährung in Nährstoffinfusionen zum Einsatz.

Anti-Aging-Versprechen mit Taurin: Was ist dran?

Seit einigen Jahren wird Taurin verstärkt als Mittel gegen das Altern vermarktet. Eine 2023 im Fachjournal Science veröffentlichte Studie stellte fest, dass Mäuse mit zusätzlichem Taurin länger lebten und der Taurinspiegel im Blut von Mäusen, Affen und Menschen mit dem Alter abnahm. Daraus wurde geschlossen, dass eine Taurin-Supplementierung sowohl die Gesundheitsspanne als auch die Lebensspanne verbessern könnte.

Eine Folgestudie aus dem Jahr 2025, ebenfalls in Science, widerspricht der ursprünglichen Annahme. In der ersten Studie wurde nämlich die Taurin-Konzentration nicht im Laufe des Lebens mehrfach bei einem Menschen gemessen, sondern jeweils nur einmal bei unterschiedlich alten Menschen. Bei der Langzeitbeobachtung derselben Personen, Affen und Mäuse blieb der Taurinspiegel im Alter meist konstant oder stieg sogar an. Das Forschungsteam kam daher zu dem Schluss, dass sich Taurin im Blut nicht als verlässlicher Biomarker für das Altern eignet. Unabhängige Fachleute bewerten diese neuere Studie als methodisch besser und aussagekräftiger.

Für Sie bedeutet das: 

  • Eine Einnahme von Taurin zur Verlangsamung des Alterns ist beim Menschen wissenschaftlich nicht belegt.
  •  Für Nahrungsergänzungsmittel mit Taurin sind entsprechende gesundheitsbezogene Aussagen mangels ausreichender Belege nicht zugelassen. 
  • Auch Aussagen mit Bezug auf eine Verbesserung von kognitiven Funktionen/geistiger Gesundheit, von Herz-Kreislauf-System, Muskelfunktionen, Vitalität sowie Zellschutz und bessere psychische und physische Leistung bei Stress sind wegen fehlender wissenschaftlicher Belege ausdrücklich nicht erlaubt – nachzulesen im EU-Health-Claims-Register. Der Rückschluss von „Taurin kommt im Herzmuskel vor“ auf „Extra-Taurin stärkt das Herz“ ist nicht zulässig.

Ist Taurin unbedenklich?

Bei einer Aufnahme über Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel in üblichen Mengen sind bislang keine gesundheitlichen Nebenwirkungen bekannt. Überschüssiges Taurin wird über die Nieren ausgeschieden. Laut einem Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) von 2009 kommt es bis zu einer täglichen Einnahme von drei Gramm weder zu negativen Effekten noch zu unerwünschten Wirkungen. In Kombination mit Koffein und/oder Glucuronolacton (wie in Energy Drinks) gelten bis zu 1.400 mg Taurin pro Tag für Erwachsene als sicher. Allerdings sagt die EFSA selbst, dass diese Bewertung veraltet ist und möglicherweise nicht mehr dem aktuellen Wissensstand entspricht.

Neuerdings steht Taurin im Verdacht, in hohen Dosierungen Muskelschäden und Müdigkeit hervorzurufen. Auch von einem möglicherweise erhöhten Leukämie-Risiko ist die Rede.

Wichtig: Wer eine Nierenerkrankung hat, sollte auf eine zusätzliche Einnahme (vor allem in höherer Dosierung) verzichten oder dies vorher mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin abklären.

Wichtig!

Taurin ist häufig Bestandteil von Energy-Drinks, fast immer gemeinsam mit hohen Koffeinmengen und viel Zucker. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat festgestellt, dass Taurin in den dort üblichen Mengen für sich genommen nicht gesundheitlich bedenklich ist. Gesundheitliche Risiken bei Energy-Drinks gehen in erster Linie vom Koffeingehalt aus, nicht von Taurin. In Deutschland ist der Taurin-Gehalt in koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken auf 4.000 Milligramm pro Liter begrenzt.

Besondere Vorsicht gilt bei sogenannten Energy Shots: hochkonzentrierten Energy-Drinks in kleinen Portionsflaschen von 25 bis 90 Millilitern, die als Nahrungsergänzungsmittel statt als Erfrischungsgetränk verkauft werden. Dadurch fallen sie nicht unter die genannten Höchstmengen und können deutlich mehr Koffein und Taurin je Liter enthalten. Halten Sie sich hier unbedingt an die vom Hersteller angegebene Verzehrempfehlung, in der Regel eine Portion pro Tag. Nur bis zu dieser Menge ist der Hersteller für die Sicherheit verantwortlich.

Taurin als Nahrungsergänzungsmittel: Worauf sollte ich achten?

  • Eine zusätzliche Einnahme von Taurin ist nicht erforderlich. Mit der Nahrung werden pro Tag ca. 10-400 Milligramm aufgenommen. Zudem bildet es der Körper selbst.
  • Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) rät 2012, täglich nicht mehr als 100 Milligramm Taurin pro Kilogramm Körpergewicht (aus allen Quellen) aufzunehmen. Die norwegische Lebensmittelsicherheitsbehörde VKM geht dagegen nur von bis zu 21 mg pro Kilogramm Körpergewicht aus.
  • Taurin in größeren Mengen kann zu unerwünschten Wirkungen wie Magenverstimmung oder Magenbrennen führen. Auch von Muskelkrämpfen bei Sportler:innen wird berichtet.
  • Taurin haltige Nahrungsergänzungsmittel nicht mit Energy Drinks oder Energy Shots kombinieren, um zu hohe Aufnahmemengen zu vermeiden. 
  • Schwangere und Stillende sollten mangels ausreichender Datenlage zur Sicherheit auf die Verwendung von Taurin in jeglicher Form verzichten.
  • Es gibt möglicherweise Wechselwirkungen mit blutdrucksenkenden Medikamenten.
  • Bei Nierenerkrankungen vor der Einnahme von Taurin-Präparaten Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin halten.
  • Auch wenn man es häufiger liest: Taurin für Supplemente wird meist synthetisch hergestellt. Ochsengalle als Quelle ist eher unwahrscheinlich, Bullensperma oder Tierhoden werden dagegen ganz sicher nicht verwendet.

Quellen:

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